Wenige Monate später schien er in Erfüllung zu gehen. Als ich wieder einmal in eine Gegend kam, in der ich die ziemlich frische Fährte eines starken Büffels sah, nahm ich meine zwei besten und ausdauerndsten Leute mit und suchte vom frühen Morgen an nach dem heimlichen Wild. Nach rastlosem Marsche durch offenen Busch mit eingestreuten Grasflächen kam ich gegen drei Uhr nachmittags an eine Schilfniederung, warf mich ermüdet im Schatten eines großen Mangobaumes nieder und schickte Sefu, meinen Gewehrträger, in den Baum, um nach Wild auszusehen. Ali, mein zweiter Begleiter, umkreiste die anderen Mangobäume und entdeckte an den von Menschen und Tieren bereits abgeernteten Bäumen noch einige versteckte Früchte.

Wenn es doch überall Mangobäume und Kokospalmen gäbe! dachte ich (— — dann, muß es allerdings heißen, würden die Neger gar nicht arbeiten!). Der Saft einer Kokosnuß oder das Fleisch einer reifen embe dodo, einer großen Mangofrucht, gehören nach anstrengendem Marsch zu den großen Genüssen, die Afrika bietet. Im Schatten eines fruchtbeladenen Mangobaumes ruhend, kann man getrost singen: „Bei einem Wirte wundermild, da bin ich heut zu Gaste.“

Die einzigen Störenfriede waren heute Ameisen, die in reichlicher Anzahl den Boden bedeckten und mich aus dem kühlen Schatten vertreiben zu wollen schienen.

Ich dachte gerade, ob ich wohl einen Büffel zur Strecke bringen würde und dann den ersten Mißerfolg auf das heiß begehrte Wild vergessen, als Sefus Stimme hoch oben aus dem Baume erklang: „Ich sehe Wild. — Vielleicht Wasserbock!“ Wie mich die Meldung des Schwarzen aufspringen ließ! Merkwürdig: ich glaubte nicht an Wasserbock, und war fest überzeugt, es müsse das ersehnte Wild sein.

Mit neuem Mut stieg ich selbst auf den hohen Baum und sah durch das Doppelglas einen langen, grauen Wildkörper, der mir für die Entfernung von etwa 1500 Meter sehr groß erschien; das mußte ein Büffel sein! Schnell die Richtung eingeprägt und dann durch hohes Gras drauflos.

Als wir noch nicht an der Stelle angelangt waren, die ich mir gemerkt hatte, klettere ich wieder auf einen Baum, dessen schwache Äste soeben meinem Zweck genügten, konnte aber den Büffel nicht mehr an dem alten Platze sehen.

Vor mir lag ein Sumpf mit hohem Schilf in einer Ausdehnung von etwa 700 Meter Länge und 300 Meter Breite. An dem jenseitigen Rande des Sumpfes fand ich mit dem Auge die Stelle wieder, an der der Büffel gestanden hatte.

Ich überlegte noch, ob ich den Sumpf umgehen und die Fährte aufnehmen sollte; da blickte ich zufällig unter mich und gewahrte den Büffel etwa fünfzig Schritt von mir entfernt, wie er langsam durch das Schilf ging und gerade eine kleine, tiefere Pfanne passierte, in der die Gräser weniger hoch waren.

Schnell winke ich dem Sefu, mir die Büchse zu reichen, — — das gelingt; und von meinem schwankenden Beobachtungsstand aus gebe ich dem stahlblau aussehenden Tiere einen Schuß hinter die Schulter, gerade als es in höherem Schilf verschwinden will.

Gut getroffen macht der Bulle ein paar mächtige Galoppsprünge, und ich sehe an der Bewegung im Schilf, wie weit er geht. — — Das ist kaum mehr als 30 Meter vom Anschuß.