Der Besitzer war zu Hause und begleitete mich in stundenlangem Spaziergang durch die Anlagen. Eine Menge Nutzpflanzen sah ich zum ersten Male: die Vanille, deren Schoten im Schatten großer Bäume gedeihen: (die Befruchtung der Blüten muß künstlich geschehen, weil der kleine Vogel, der in Amerika den Blütenstaub von Pflanze zu Pflanze trägt, auf den Seychellen nicht lebt.)
Auch die hohen Nelkenbäume mit roten Blüten waren mir unbekannt, ebenso der Indigo und eine andere Farbpflanze: der Arnotto, dessen Früchte in rote Farbe gebettet sind, die in Amerika, der Heimat der Pflanze, von den Indianern zum Bemalen der Haut, in Holland zum Färben von Butter und Käse verwandt wird.
Eine Menge anderer Pflanzen sah ich noch, die zum Versuch oder nur aus Interesse an der Botanik angebaut waren.
Auch über die Tierwelt war mein Gastgeber gut unterrichtet, hatte eine kleine Bibliothek auserlesener Bücher und erklärte mir an seiner Pflanzen- und Schneckensammlung merkwürdige Zusammenhänge.
Die Gruppe der Seychellen umfaßt 29 Inseln, die alle nicht weit auseinanderliegen; dennoch sind auffallende Trennungen in der Flora und noch mehr in der Fauna zu finden.
Die Lodoicea, die riesige Fächerpalme wächst wild nur auf zwei Inseln: Praslin und Curius island. Ebenso soll es einen Vogel geben, der nur auf Mahé vorkommt, einen andern, der nur auf Praslin und Felicité lebt und alle übrigen 27 Inseln meidet.
Wenn das schwer nachzuweisen ist — abgesehen von der Tiefseeexpedition mit ihrem vorübergehenden Aufenthalt, hat sich ein deutscher Zoologe längere Zeit auf den Seychellen aufgehalten —, so muß man staunen, wenn man in der genau mit Datum und Fundort bezeichneten Konchiliensammlung sieht, daß eine Schnecke, die auf allen Inseln nur mit ganz rundem Gehäuse vorkommt, auf einer einzigen Insel ausschließlich mit einer ausgesprochen scharfen Kante gefunden wird.
„Das sind,“ sagte der Pflanzer, „Beobachtungen, an denen sich jeder Naturfreund freuen sollte; die die Größe der Natur erhöhen und an denen wir schlichten Sammler Entdeckerfreuden erleben.“
Er nahm Haeckels „Welträtsel“ — in englischer Ausgabe — aus seinem Bücherschrank und sagte, die deutsche Jugend könne sich freuen, daß ihr ein solches Buch gegeben würde, zur Teilnahme an einem großen Kampf.