Dem Askari war der rechte Oberschenkel zerschossen; klaffend hing das Muskelfleisch hinunter. Das Weib hatte einen Schuß durch das Fleisch überm rechten Knie.

Sanitätsunteroffizier Lauer war in Mayenge, um Sergeant Kühn zu behandeln, der Fieber hatte. Ich ging deshalb selbst an die Verbandkästen und verband die entsetzlichen Wunden, nachdem ich eingedrungene Stofffetzen herausgezogen hatte. Die gleichgültigen Gesichter der Patienten erleichterten mir die Arbeit. Das Weib schimpfte ununterbrochen.

Darauf versuchte ich festzustellen, was vorgefallen war. Und nun mußte ich meinen ganzen Spürsinn ins Feld führen, um Wahrheit von Lüge zu trennen. Die beiden Askari sagten, ein Schenzi habe geschossen und mit demselben Schuß den Askari und das Weib getroffen; das Weib, es sei von dem einen Askari angeschossen worden. (Der Dibagila, der nachher Hauptzeuge wurde und alles wußte, stand jetzt noch dabei und schwieg!)

Ich überlegte: die Wunde des Askari war so, daß der Schuß aus nächster Nähe abgegeben sein mußte. (Ich hatte schon einmal einen Mann gesehen, der sich selbst erschossen hatte; an die Wunde mußte ich denken.) Das Weib hatte eine gewöhnliche Schußwunde, mit glattem Schußkanal.

Ich ließ meinen Esel satteln und ritt, obwohl ich durch einen Dysenterieanfall aufs Äußerste ermattet war, in der Sonnenglut selbst zu dem Tatort, der eine Stunde entfernt war. Die Augenzeugen waren mit.

„Da hat der Schenzi gesessen, der geschossen hat. Hier hat der Askari gestanden — du siehst den Blutfleck, Bana — und da unten hat dieselbe Kugel die Frau getroffen.“

Aha! Da haben wir die Lüge: also fliegt eine Kugel im rechten Winkel weiter, wenn sie einen Askariknochen trifft! Daß der Bana kubwa sich die Mühe mache, hierherzureiten, daran habt ihr Lügner wohl nicht gedacht?

Ich schickte alle anderen Leute weg und ließ mir von dem Dibagila, der offenbar aus Furcht vor den Askari nicht gesprochen hatte, erzählen, wie es gewesen sei. Dibagila hält seine ausgestreckten Arme dicht an den Körper, als ob ein Tuch sie an Bewegung hindere, bewegt die Schultern und den Oberkörper in eigentümlicher Weise und zeigt mit den Kopf in die Richtungen. Seine Stimme ist schneidend, doch tönend; er spricht dramatisch, bisweilen sehr laut: „Es kam einer zu mir, der Salim bin Mtambo, und sagte: ‚Dein Bruder ist am Fluß erschossen, er ist ins Wasser gestürzt! — baß‘“ — (Dies ‚baß‘ dient zur Interpunktion beim Sprechen und ist der Erzählung der Schwarzen eigen.) „Ich lief hin. Es war Blut am Boot. Ich sprang ins Wasser, schwamm umher, konnte nichts finden; dann folgte ich den Askari und sagte: ‚Mein Bruder ist erschossen, ich gehe zur Boma und sage es dem Bana kubwa.‘

Askari Manika antwortete: ‚Wenn der Bana kubwa erfährt, daß ich deinen Bruder erschoß, läßt er mich aufhängen; ich will sagen, ein Schenzi habe auf mich geschossen und werde mich selbst ins Bein schießen.‘

Er drehte sein Gewehr um, setzte die Mündung auf sein Bein, schoß und fiel hin.