Der andere ging dann ins Dorf und schoß auf ein Weib.
Ich fragte: Weshalb tust Du das?
Er sagte: ‚Ich schieße bloß so!‘“
Am Nachmittag wurden viele Zeugen geladen und Schauri abgehalten. Das heißt eigentlich waren es nur Vernehmungen, denn verurteilen konnte ich den unglücklichen Askari doch nicht, der sich selbst gerichtet hatte. Unter dem großen Baume saßen Hunderte von Negern und hörten zu, was da vorne gelogen wurde.
Gelogen wird immer, manchmal empfiehlt es sich aber auch, die Wahrheit zu lügen. Der Richter muß dann nicht denken, daß der Neger die Wahrheit sagt, um die Wahrheit zu sagen, nein, er sagt etwas, weil er für vorteilhaft hält, es zu sagen; zufällig ist es die Wahrheit.
Ein Askariboy war in der Kunst, den Mzungu zu belügen (das ist der Inhalt des Schauris) noch nicht gewandt genug und sagte auf jede Frage nur „hapana“ oder „sijui“.
Ein anderer Zeuge, ein Pogoro, konnte gar nicht sprechen; trotzdem bekamen die Dolmetscher alles aus ihm heraus, was sie hören wollten. (Ähnlich dachte ich mir den „klugen Hans“, von dem damals gerade in den Zeitungen die Rede war.)
Der Pogoro stierte mich an mit Augen, denen man ansah, daß sie mehr von der Glut des nächtlichen Feuers als vom Studium gerötet waren.
Er hob das Kinn, wenn die zudringlichen Dolmetscher die Antwort „ja“ von ihm haben wollten. (Er hätte auch mit dem Fuße scharren können.)
Nach ihm kamen drei Frauen an die Reihe. Ein bildhübsches Geschöpf war dabei. Sie begleitete ihre Reden mit weichen, schönen Bewegungen. Ein kleines, ahnungsloses Kindchen beschäftigte sich gleichzeitig an ihrer linken Brust.