Als ich ihnen versicherte, ich hätte ihnen nur zeigen wollen, wie töricht sie manchmal seien, sagten sie: „Du wolltest uns also nur Ekel machen“ und einer setzte grinsend hinzu, er freue sich, daß er die Schokolade noch im Bauche habe.

Übrigens wird im Haushalt der Europäer gern gesehen, daß sich diese Neger von bestimmten Speisen und Getränken fernhalten. Sie verschmähen Alkohol — ganz im Gegensatz zu dem Neger der Westküste, der guter Abnehmer schlechter Spirituosen ist — bleiben selbst als Köche und Diener der Messen und Restaurants bei ihrem Reis mit Zukost und nehmen nichts von den Speisen der Europäer. Allenfalls naschen sie von der Butter, die sie sehr lieben, und dagegen schützen sich die findigen Hausfrauen in Daressalam, indem sie vor den Augen der Boys einen Löffel Schweineschmalz in jede neugeöffnete Butterdose hineintun. Wer neu nach Ostafrika kommt und auf Märschen gerne und reichlich ißt, weil sein Appetit gut angeregt wird, wundert sich wohl, daß die Neger den vielen Mahlzeiten zusehen können und selbst nur einmal am Tage essen; die Erklärung dafür geben die Schwarzen selber sehr nett, indem sie dem Europäer schmeichelnd sagen: „Du mußt auch mehr denken und hast mehr Kräfte als wir, deshalb brauchst du andere Nahrung.“

[44] Vgl. Dominik: Kamerun.

[45] Vgl. Deutsch-Ostafrikanische Zeitung Juni 1907.

Ein Streifzug.

Der Aufstand schien in dem Gebiet, in dem ich zu tun hatte, zu Ende zu sein. Tausende von Eingeborenen hatten sich unterworfen, hatten Kriegssteuer gezahlt und Waffen abgegeben und bauten jetzt friedlich ihren Acker. Nur in ganz entfernten Tälern, wohin noch kein Askari gekommen war, spielten die Schenzi noch hartnäckig Krieg.

Wie Kinder; wenigstens hörten sich die Schilderungen von Kundschaftern so an. Eine alte Frau, die aus der Gefangenschaft der Schenzi entlaufen war, erzählte, die Krieger hätten sich aus Antilopen- und Zebrafell Schilde gemacht und hätten, da die alten nichts taugten, zu neuen Göttern gebetet. Menschenopfer, unerhört seien gefallen, und im frommen Kreise habe man das Blut einer alten Frau getrunken. Auch sie habe man schlachten wollen, deshalb sei sie davongelaufen und habe fünf Tage lang nur Schlamm gegessen, um sich zu ernähren; denn sie habe auf dem Marsche alle Menschen meiden müssen.[46]

Immer öfter regnete es in dieser Zeit. Bald war die große Regenzeit zu erwarten, von der die Neger sagten, sie verändere das Land so, daß das Reisen noch mal so schwer sei wie jetzt; ich hielt es deshalb für gut, noch vorher einige Streifzüge in das Land zu machen und lieh den Kundschaftern willig mein Ohr.

Eines Tages saßen wir in dem neuen, fertigen Hause und sahen dem Regen zu, der von dem Palmblattdach niederströmte, als der wachhabende Ombascha vom Pallisadentor her einen bärtigen, alten Neger anbrachte, der einen abgetragenen, völlig durchnäßten Gehrock anhatte.