Briefe! Der Ombascha Chuma gibt mit ein ‚Barua‘, das ein Bote aus Mohorro mitgebracht hat. Ich soll es ihm vorlesen.

Von Askari Kisusa, der verwundet im Hospital liegt. Inhalt: „Grüße an Abdallah, der noch eine Rupie von mir bekommt; und ich will von Sefu zwei Rupie; und die Bibi des Mzee schuldet mir noch 18 Pesa für Reis.“ Dann folgen Grüße an alle, die dem Kranken einfielen.

Deshalb läßt der Ombascha die Askari antreten, nimmt den Zettel und sagt: „Es ist ein Brief von Kisusa gekommen, er schreibt: Grüße an...“ Jetzt nennt er, vom rechten Flügel anfangend, die Namen einzeln und sieht zwischendurch immer wieder auf den Zettel, als ob er lesen könne. Dann sagt er: „Weg-treti.“

Ich diktierte Briefe an Jumben, die nur arabische Schrift lesen konnten, und ließ mir das Diktierte nachher vorlesen. Dabei kam heraus, daß diese Schreiben einen ganz besonderen Stil hatten. Das Hauptmerkmal war, daß alles mehrmals wiederholt wurde. Aber auch Ausdrücke kamen vor, die besonders auffielen. „Du sollst gut aufpassen,“ hieß: „sieh mit beiden Augen.“


Als Hohlmaß für Getreide haben die Neger den Pischi (zu vier Kibaba). Sie stellen das Maß hin und füllen soviel hinein und darauf, als nicht über die Ränder hinunterläuft. Als ich fragte, weshalb sie nicht glatt abstrichen, sagten sie, der Bezirksamtmann hätte das so erlaubt; früher habe man noch ganz anders gemessen: da habe man beide Arme um den Rand gehalten.

So sind sie: sie wollen mit dem Bewußtsein vom Markte gehen, für ihr Geld etwas mehr bekommen zu haben, als ihnen zustände; ja, sie hassen, glaube ich, instinktiv das eherne Gesetz, das sich brüstet, gerecht zu sein, wenn es gleichmäßig ist.

Mit ihrer Arbeit ist es ähnlich. Sie arbeiten gut, wenn ich anerkenne, was meinem ganzen Wesen noch fremd ist: daß es nicht nur eine Pflicht gibt zu arbeiten, sondern auch eine zu faulenzen.