Der Stecher meiner Büchse knackt; aber der Schuß geht nicht los. Ich steche noch einmal, ohne abzusetzen. Der Löwe richtet sich vorne etwas auf, so daß rechts von dem Kopfe ein Teil des Rückens sichtbar wird. Unwillkürlich folge ich mit der Büchse sofort nach rechts, der Schuß fällt und der Löwe springt mit gewaltigem Satz aus seinem Lager heraus, die linke hintere Pranke lang nach hinten streckend; die nächsten beiden Sprünge gerade auf mich zu. Nach dem dritten Sprung fällt mein zweiter Schuß und schlägt dicht vor dem Löwen in das Gras hinein; er biegt ab. Der nächste Sprung geht wieder nach links, dann sehe ich es nur noch einmal gelb zwischen den Zweigen schimmern.

Ein schmerzvolles Knurren folgte; dann war es still.

Ich blieb noch eine Weile stehen und lauschte; zugleich prägte ich mir den Ort genau ein. Dann verbrach ich meinen Stand und pürschte in der alten Richtung weiter. Um zu vermeiden, daß die kranke Löwin von mir Wind bekam, ging ich nicht einmal auf den Anschuß. Im Weitergehen kreuzte ich den Paß des Löwen. Wild sah ich nicht mehr; die Raubtiere hatten offenbar in der letzten Nacht alles verjagt.

Zwei Stunden später war ich mit Herrn Stauffer und etwa vierzig speerbewaffneten Negern zur Stelle, erklärte den Anschuß und schickte die Neger im Bogen herum, damit sie das Gebüsch durchtrieben. Ich verbot ihnen, den Löwen, wenn er tot sei, mit den Speeren zu durchstechen (was sie in der Aufregung gerne tun).

Als die Schwarzen auf den bezeichneten Platz losgingen, sah ich, wie sich ein Stück Wild über den jenseitigen Hang drückte; vielleicht war es der männliche Löwe, der sich in der Nähe seiner Gattin aufgehalten hatte.

Wir gingen zum Anschuß. Wo das Raubtier gelegen hatte, war nichts zu sehen, als der tiefe Eingriff der linken Hinterpranke beim Absprung; kein Schweiß, kein Geschoßaufschlag.

Während ich noch suchte, erhob sich ein Geschrei — es klang so ängstlich, als ob der Löwe jemand angenommen habe. Stauffer und ich liefen dorthin so schnell wir konnten und sahen einige zwanzig Schwarze mit gehobenen Speeren dastehen. Zehn Schritt vor ihnen schimmerte im Grase etwas Gelbes. Ich teilte das Gras auseinander, hob mich auf die Zehen und rief, als ich den Kopf des Löwen erblickte, voller Freude: „er ist tot“!

Die Schwarzen begannen einen Höllenlärm.

Herr Stauffer beglückwünschte mich zu dem Weidmannsheil und ich steckte einen grünen Bruch in den kleinen Einschuß der Decke.