Ein Löwe geschossen! Nie hätte ich es gedacht, daß ich dazu kommen würde. Der Schuß saß hochblatt und war dicht unter der Wirbelsäule durchgegangen. Der Ausschuß war nicht groß, obwohl ich ein ¾ Mantelgeschoß benutzte hatte, eine Geschoßart, die meist große Zerstörung im Wildkörper verursacht.

Es wurden Bäume gehauen, um den Löwen daran fest zu binden und nach Hause zu tragen. Ich schärfte die Pranken an der Innenseite so aus, daß die Bastbänder unter der Haut durchgenommen werden konnten und keine Druckstellen auf dem Haarkleid entstanden. Unter dem Gesang der Wanyamwezi bewegte sich unser Zug nach der Pflanzung.

Teich bei Kilwa.


GRÖSSERES BILD

Der rote Schweiß tropfte noch lange aus den Schußlöchern und färbte das Gras auf dem Wege.

Unter einer großen Bananenstaude wurde nahe bei dem Hause Strecke gemacht. Ich nahm die Maße des Tieres und begann dann sofort die Haut abzudecken. Die ganze Länge der Löwin betrug 2,42 Meter, die Schulterhöhe 1,00 Meter, der Brust- und Leibesumfang 1,03 Meter.

Im linken Hinterschenkel saß innen unter der Decke eine alte Bleikugel; in dem rechten befand sich ein altes Geschwür, auf dem Schmeißfliegen schmarotzten; rundherum war das Gewebe infiltriert und oben wallartig verdickt. Der Mageninhalt bestand nur aus einer Handvoll Schweinsborsten und einem kleinen Knochensplitter. In der Wandung saßen Dutzende von weißen Fadenwürmern, die ich einzeln mit der Pinzette herauszog und in Whisky aufbewahrte. Schwierig war das Auslösen der Handknochen. Als die Hand nachher dalag, sah sie aus wie eine Affenhand! Die Krallen drückte ich einzeln nach innen durch und machte mich dann sorgfältig an das Präparieren der Nase und der Ohren. Zuletzt wurde das Fell mit der Innenseite nach oben auf der Erde ausgespannt und mit dünnen Drahtstiften befestigt. Der Kopf kochte unterdessen in einem großen Blechgefäß.

Ich fragte die Wanjamwesi, ob sie das Fleisch essen wollten und erhielt als Antwort nur Ausdrücke des Ekels und der Entrüstung; als ich jedoch unter dem Dach der Hütte saß und einige Notizen über meine Jagd aufschrieb, kam der erste Neger vorsichtig hinter einer Banane hervor und schnitt sich das Fettnetz über dem Gescheide ab. Sofort fielen auch die andern darüber hin, rissen sich besonders um das Geräusch und sagten, wie zur Entschuldigung, es sei gute „dawa“. Aber auch das übrige Fleisch, der Magen und das Gescheide fanden schnell ihren Weg in die Hütten. Die Suaheli setzten sich im Halbkreis um dieses Bild und lachten aus vollem Halse: „Die Wanjamwesi fressen alles“, sagten sie, „Schweine und Löwen. Alles ist bei ihnen „dawa“: das Herz, die Knochen und das Fleisch.“