Am Nachmittage trennte ich mich von meinem Gastgeber, und ritt auf seinem Reittier von dannen. Als ich durch das Dorf niedriger Wanjamwesihütten ritt, riefen mir die Leute ein lautes Lebewohl zu, worin der Dank für den Löwenbraten liegen mochte. Die vier Neger, die mich begleiteten, mußten laufen, um mit dem Esel Schritt zu halten. Durch den Kulumuzi, einen kleinen Fluß, ließ ich mich tragen und den hübschen, weißen Esel hinterher führen; den Fluß überdeckte dunkler, kühler Wald.

Bergauf, bergab ging es in leichtem, schnellem Trabe durch hohes Gras, durch niedrigen Buschwald und bewohnte mit Kokospalmen, Bohnen, Mohogo und Negerhirse bebaute Flächen. Die aus dem Felde mit der Hacke arbeitenden Leute sahen auf; meine Begleiter versäumten nicht, ihnen die frohe Nachricht zuzurufen, ich sei der Jäger, der heute früh einen großen Löwen geschossen habe.

Wir erreichten einen Ort mit Namen Kikuruni. (Diesen Namen konnte ich in den nächsten Tagen schwer behalten, es schien, als sei mein Gedächtnis nun nachgerade übersättigt mit Zusammenstellungen der wenigen Silben ki und ku, ni und na, aus denen die Kisuahelinamen bestehen.)

Ich dachte an die Abendpirsche und freute mich, daß die Sonne noch hoch stand. Blau schimmerten hinter der düsteren, grünen Waldfläche des Sigitals die hohen Berge von Ostusambara, eingerahmt von hochstämmigen Kokospalmen dicht vor mir.

Ich schien heute Glück zu haben; der mir empfohlene Führer stellte sich in einem der entgegenkommenden Neger vor und folgte mir sofort. Im Orte strömte das Volk zusammen aus fertigen und halbfertigen Häusern. Ich suchte einen Platz für das Lager aus und ordnete an, daß mein „Reisemarschall“ Hans und die Träger dorthin gewiesen werden sollten. Dann ritt ich noch bis zum Sigi und gab dem Eselboy rukhsa[3]. Mein Führer brachte mich zuerst in Stagenwald mit mäßiger Aussicht; hier waren deutliche Spuren, daß die Neger täglich Holz zum Hüttenbau holten; ich befahl, mich in freie Baumsteppe zu führen; die war bald erreicht und hier sah man Fährten von großen Antilopen. Eine Stunde verstrich ohne daß die vorsichtige, lautlose Pürsche durch den Anblick größeren Wildes belebt wurde. Nur eine Herde schnell flüchtender Hundsaffen; endlich — fünfhundert Meter weit im Winde ein Rudel von drei Wildschweinen, die ruhig einherzogen.

Warzenschweine.

Ich ließ die Neger halten und niederknien und pirschte selbst in kniehohen, zusammengefallenem Grase, das bei jedem Schritt unangenehm knisterte, hinter einem Hügel näher. Es waren nur Schweine; in Ostafrika ein recht gemeines Wild. Doch gibt es nichts Aufregenderes, als diese Art von gewissermaßen blindem Anpürschen. Der Schlachtplan ist beim ersten Blick gemacht und dann das Handeln bestimmt bis zu dem Moment, in dem ich bei jenem Hügel das Wild von neuem zu Gesicht bekomme, wenn es nicht bereits verschwunden ist. Die Erfahrung mahnt zur Vorsicht und Ruhe, der Wunsch, über das Verhalten des Wildes Gewißheit zu erhalten, treibt zur Eile. Deshalb die Aufregung und eine gewisse Anstrengung! Wenn man das Wild beim Anpirschen im Auge behält, dann kann man laufen, wenn es äst, und stehen bleiben, wenn es äugt oder sichert, und kann nötigenfalls auf weite Entfernung schießen. Beim Anpirschen hinter einer Deckung aber ist es zwecklos, stehenzubleiben; denn gerade das laute Weitergehen, kann mit dem Augenblick zusammenfallen, in dem das Wild sichert. Wer sagt mir, ob es nicht dicht vor mir auf den Hügel zieht oder schon weit hinter den nächsten Büschen verschwunden ist? Diese vielen Fragen erregen in dem Jäger eine lebhafte, wohltuende Aufregung.

Als ich den Hügel erreichte und an ihm vorbeisah, hatten sich die Tiere in einen lichten Busch eingestellt und brachen dort; sie waren ziemlich dreist und unaufmerksam. Der stärkste stand breit, ich zog den Stecher ab und riß mit Gewalt durch, weil das Schloß, ebenso wie heute früh, dem Stecher nicht folgte. Die Rotte rannte breit nach links; das kranke Stück blieb etwas zurück und brach nach wenigen Sekunden verendet zusammen.

Die beiden anderen verhofften einen Augenblick; ich nahm das zweitstärkste Stück aufs Korn und schoß; es zeichnete auf den Schuß sehr merkwürdig und klagte laut. Die Bewegungen, die es machte, glichen denen eines biegsamen Stockes, den man in der Mitte festhält, während die Enden rund schwingen; der Schuß mag kurz weidewund gegangen sein.

Leider hielt die Geduld meiner Leute nicht länger, sie stürmten von hinten unter Geschrei und rohem Lachen heran. „Jetzt kommen wir dran“ hörte ich sie rufen. So kam es, daß das kranke Schwein in unregelmäßiger Flucht laut klagend das Weite suchte, ohne daß es mir gelang, noch einen Schuß anzubringen. Auch schnelles Nachlaufen auf erhöhte Stellen gab mir das Tier nicht noch einmal zu Gesicht. Leider konnte ich nicht mehr nachsuchen, weil es Abend wurde. Am nächsten Tage aber wäre es ganz zwecklos gewesen; denn die Hyänen würden das Schwein jedenfalls längst gefunden haben.