(Die Mannschaft bekommt bestimmte Verpflegungsgelder; Ersparnisse werden ausgezahlt oder zu Vergnügungen ausgegeben. Das weiß jeder an Bord genau und wer der Menage etwas stiftet, ist des Dankes jedes einzelnen gewiß. So wurde auch das Geschenk der Araber entsprechend gewürdigt, um so mehr, als diese baten, wir möchten auch Kokosnüsse nach Bedarf bestellen. — Die Nüsse wurden von den Matrosen stets sehr gern gegessen und getrunken.)

Herr Steiner war mit diesem Verhalten seiner Schutzbefohlenen sehr zufrieden; er benachrichtigte das Kriegsschiff rechtzeitig und riet, die Geschenke anzunehmen.

Auf der Insel Mafia.

Das Landen war in der Tirenibucht nicht einfach; bei Flut konnten die Boote unmittelbar an Land fahren, bei Ebbzeit aber mußte man weit durch das Wasser waten oder sich dem Rücken eines Schwarzen anvertrauen. Doch ein Spaziergang in der wunderbaren Pflanzenwelt der Ufer dürfte auch größere Mühe und Umstände lohnen. Im Wasser gedeiht ein dünner Mangrovengürtel, den eine breite Sandstraße von der üppigen Ufervegetation trennt. Hier glänzen die fein gefiederten Wedel der wilden Phönixpalme, wie an der Mündung des Rufiyi; große und kleine Laubbäume wechseln ab mit Büschen, die eine Fülle duftiger, weißer Schmetterlingsblüten tragen; einzelne Betelpalmen schießen hoch empor und tragen auf dünnem Stamm die künstlerisch ausgebaute Krone. Mit erstaunlichem Eifer haben sich die Pflanzen auch einer am Strande stehenden Ruine bemächtigt. Vor einem halben Menschenalter mag dieses Haus erbaut sein; wer aber nicht weiß, wie schnell unter tropischer Sonne Mauern dem Verfall geweiht sind, wird sich versucht fühlen, die Ruine auf die Portugiesenzeit wohl vierhundert Jahre zurückzuführen und den Bäumen nach europäischem Maßstabe ein hohes Alter zuzutrauen.

Die Abendsonne durchleuchtete hier die Blattgewebe der üppigen Bäume, die sich an das verwitterte Baugestein anlehnten. Dicht dabei glitzerten die Sonnenstrahlen in der klaren Salzflut. In den Zweigen der Mangroven hatten sich hunderte von blauen Reihern und kleinen, weißen Kuhreihern zur Nachtruhe niedergelassen. Milane und Schildraben umkreisten die Wipfel der schlanken Kokospalmen.

Ein heller Morgen sah mich wieder am Strand, wo ein kleiner weißer Esel mit langen, steifen Ohren auf mich wartete. Er wurde nach arabischer Art gesattelt. Der hübsche Eseljunge, (der offenbar arabisches Blut in den Adern hatte), legte vier weiche Decken auf, zog mit großer Ruhe und Ausdauer jede einzelne sorgfältig hin und her und faltete sie gehörig; dann befestigte er eine weiche Kordel so, daß der fertige Sattel durch den Schwanz des Tieres am vorrutschen gehindert wurde. Nach vorn führte gar kein Geschirr; der fertige Sattel ruhte über dem Kreuz des Tieres. Ein einfacher Strick diente als Zügel; mehr war auch nicht nötig, denn das Tier war gewohnt stets hinter dem Eseljungen herzulaufen; der warf sein weißes Gewand über und setzte sich nach Art der Neger in Trab, indem er Kopf und Oberkörper, besonders beim Anlauf, stark auf dem niedergehenden Fuß hin und her bewegte. Für die Gangart des Tieres war also ganz der Junge maßgebend; ich durfte meine Reitkünste zu Hause lassen und konnte nur durch ein paar auf Kisuaheli zugerufene Worte meinen Willen zum Ausdruck bringen.

Ein Ritt durch die Insel Mafia.

An den Pflanzungen sieht man, daß die Palmen auf der ganzen Insel gedeihen. Ich durchritt sandiges, mit niedrigem Gras bestandenes Hügelland, in dem von Zeit zu Zeit kleine Schamben lagen; ein Dutzend Kokospalmen, ein Garten mit Mohogo, dabei eine kleine Hütte. Das ganze Besitztum sorgfältig gegen Wildschweine eingezäunt. In langen Talsenkungen stand Wasser; hier gedieh eine artenreiche, dichte Sumpfvegetation und blaue Wasserrosen deckten den Wasserspiegel. In der Regenzeit sind diese Täler ganz mit Wasser ausgefüllt. Die Wege zeigten streckenweise Pflege; an den Seiten war eine Reihe niedriger, blaugrauer Agaven gepflanzt. Einmal durchschnitt der Weg übermannshohes Gebüsch von Heidekraut, das zum Teil niedergebrannt war; an einer Stelle, wo ich zum Frühstücken hielt, stand ein merkwürdiger Busch mit glänzenden Blättern; es sah aus, als ob gelbe und rote Blüten nebeneinander auf einem Ast saßen, aber bei näherem Hinsehen konnte man erkennen, daß nur die gelben Blüten, Blüten waren und die roten, alte Kelchblätter, die in ziegelroter Farbe abwechselnd grüne, unreife und schwarze, reife, glänzende Beeren umkränzten. Gewiß eine Merkwürdigkeit; erhöht durch die Tatsache, daß die Kelchblätter, solange sie frische Blüten umschlossen, klein und nur zart gefärbt waren.

Nach mehrstündigem Ritt näherte ich mich der Ostseite der Insel. Die Kokospalmen wurden häufiger und bildeten bald regelmäßigen Waldbestand. Die hohen, gleichmäßig starken Stämme erhoben sich aus niedrigem Graswuchs; doch, wie um dem Auge einen festeren Halt zu geben, waren dunkle, volle Mangobäume in diesen einförmigen Wald hineingestreut und trugen wie Weihnachtsbäume, eine Fülle von Früchten an dünnen Fäden. Zwischen den Bäumen lagen die naturbraunen, mit Palmblättern gedeckten Hütten der Menschen; Rinderherden zogen durch den Wald, gefolgt von schneeweißen Kuhreihern, die in Zusammenleben mit Haustier und Mensch ihren Bedarf an Insektennahrung an der Haut der Rinder suchen; ein Umstand, der den Viehzüchtern erwünscht ist. (Die Kuhreiher und Madenhacker werden in Deutsch-Ostafrika durch das Jagdgesetz geschützt, weil angenommen wird, daß sie auch die von den Rindern abfallenden Küstenfieberzecken verzehren. Man ist aber weit davon entfernt, den Nutzen der Vögel zu überschätzen; sie hacken Löcher in die Haut der Rinder und bringen ihnen häßliche Wunden bei. Die Insel Mafia selbst ist vor Seuchengefahr ziemlich sicher und die Vieheinfuhr wird durch Quarantäne sorgfältig überwacht).

Auf einem sauber gehaltenen Platze unter hohen Palmen hielt mich der Jumbe der Insel an, ein Araber, der aus einer wohlgebauten Hütte heraustrat. Die hagere Gestalt bekleidete ein langes, weißes Hemd aus dem die zierlichen Glieder und der fein geformte Kopf heraussahen. Über der glatten, weichen Stirnhaut war das Kopftuch zu einem Turban zusammengeschlungen. Die lebhaften, großen Augen glänzten und durch die feinen Lippen leuchteten beim Sprechen weiße Zähne. Vor der Mitte des Leibes stak im Gürtel der fein verzierte, gebogene Dolch in silberner Scheide; an den Füßen trug er weit überstehende Ledersandalen. Er bot mir einen Stuhl an und ließ eine Kokosnuß holen, eine frische, wie er versicherte; ich konnte das nicht bezweifeln, denn ich sah, wie der Junge auf die Palme kletterte und umständlich die beste Nuß auswählte und herunterschlug.