Die unteren Teile waren unbeleuchtet, und schwächer umrissen, schon in das Blau der Ferne zurückgetreten.

Roter Widerschein spiegelte in dem glatten Wasser. Von unten herauf hoben sich die Schleier des Abends, Vorboten der Nacht, und erklommen die Gipfel des vergänglichen Gebirges bis es mit erstarrten Zügen dalag.

Jetzt schwand auch im Westen das Gold. Aus der Tiefe des Meeres schien hier die Nacht heraufzukommen.

Jedes Blau, das kühnste Violett mit Rot und Gelb gemischt, breitete sich aus und dicht an der Schiffswand zeichnete die Bewegung der Wellen blitzende Linien in die schwarze Flut.


Bei klarem Wetter näherte sich S. M. S. ‚Bussard‘ von Süden kommend, der Insel Mafia. Von weitem erinnert der Anblick des dunklen Grün über dem weißen Strand und der freundlichen Farbe des Wassers an die pommernsche Ostseeküste; erst aus der Nähe erkennt man, daß die Bäume keine Kiefern sondern Mangroven, Mangos und Kokospalmen sind; flache Bänke sind hier im Westen der Insel vorgelagert und fallen zur Ebbzeit weithin trocken.

Die Tirenibucht, in deren hellem Wasser wir den Anker fallen ließen, ist von hohen Palmen umsäumt; ein rechter Ort des Friedens. Selbst der Westwind hat nicht Raum, hohe See aufzubringen; denn das Festland mit dem Mündungsdelta des Rufiyi ist nicht weit.

Im Norden der Bucht fehlen die Palmen; die Vegetation geht in Busch über und dann verläuft das Land dem Auge als heller Sandstreifen nach der See hin.

Zahllose Wasservögel beleben die zur Ebbzeit trockenen Riffe. An dem steilen Ufer sieht man hellere Stellen, vermutlich Kalkgestein. — Baumann sagt allerdings, nur im Innern, im nördlichen Teil der Insel, komme Kalkstein vor. — Im übrigen ist die ganze Insel sandig und hervorragend geeignet zur Anlage von Kokospflanzungen; schon jetzt hat Mafia eine große und stetig wachsende Ausfuhr an Kopra.

Die Palmpflanzungen sind zum großen Teil in den Händen von reichen Arabern. Auf den Schamben wird Vieh gehalten, und die Regierung hat ein wachsames Auge auf die Erhaltung und Vermehrung des Viehbestandes, der für die Düngung der Palmen von großer Bedeutung ist. Bei der Nähe der Küstenstädte mit ihrem großen Bedarf an frischem Fleisch und bei den leichten Transportverhältnissen lag die Gefahr vor, daß der Viehbestand der Insel zum Schaden der Pflanzungen vermindert wurde. Deshalb bestand ein Ausfuhrverbot, und nur mit Erlaubnis des Herrn Steiner, der dem Bezirksamt in Tschole vorstand, durften die Araber diesmal dem Kriegsschiff fünf Rinder schenken; als Dank für die Freundlichkeit, mit der ihnen die Matrosen während der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Daressalam die Einrichtung des „Manovari“[6] gezeigt hatten.