Schwierig war es, den Matrosen den richtigen Platz neben den anderen Europäern und über den Askari und Eingeborenen zu geben. Daß ich mich selbst durch keinen Burschen bedienen ließ, sondern gleich mehrere Boys annahm, war selbstverständlich; aber bei der Polizeitruppe hatte sogar jeder Askari einen Boy, deshalb gab ich auch den Matrosen Schwarze als Diener; ich wollte den Anschein vermeiden, als stände der Matrose schlechter da als der Askari. Vor allem aber bemühte ich mich, den Matrosen klar zu machen, wie sie ihre Stellung zu den Askari und den Eingeborenen aufzufassen hätten. Die Matrosen konnten jedem Schwarzen Befehle geben, auch dem schwarzen Feldwebel; sollten es aber möglichst vermeiden. Auch sollten sie sich nicht mit den schwarzen Soldaten befreunden. Diese und ähnliche Winke, die den schwierigen Verhältnissen der Unterordnung und dem Rassenprestige Rechnung trugen, wurden verstanden. Zum Lob meiner Unteroffiziere und Matrosen kann ich hier sagen, daß sie den Negern gegenüber eine achtunggebietende Haltung bewahrt haben, ohne gegen ihre Vorgesetzten in der militärischen Form nachzulassen. Und in dieser Form mögen die Eingeborenen oft unsere Macht gesehen haben. Auch den Askari gefiel es wenn sie sahen, daß sogar Weiße, ebenso wie sie, vor dem Vorgesetzten die Hacken zusammenschlagen und das Gewehr zum Präsentiergriff von der Schulter reißen, wenn der Vorgesetzte kommt.

Jeden Abend saßen Keudel und ich über der Karte und stellten Vermutungen auf, wie es wohl kommen würde. Die Nachrichten vom Aufstand waren spärlich; entweder besannen sich die Neger, weil so plötzlich Truppen im Lande erschienen waren, oder es bereitete sich etwas vor. Und damit war zu rechnen.

Ein Nachtmarsch.

Ein Jumbe mit Namen Burri gefiel sich in der Rolle eines Vertrauensmannes und Spions. Er behauptete, mit Sicherheit festgestellt zu haben, daß ein großes Lager der Aufständigen an einem Platze sei, den man in fünf Stunden erreichen könne. Eine so gute Gelegenheit, den Gegner zu fassen, durfte ich nicht vorübergehen lassen und entschloß mich zu einem Marsche in der Nacht, um die Aufständigen womöglich am Morgen zu überraschen.

Da der Sergeant inzwischen mit einem Teil der Askari zum Rufiyi geschickt worden war, hatte ich zum Angriff außer zehn Matrosen nur acht Askari zur Verfügung. Eine Anzahl bewaffnete Araber und Neger schlossen sich mir an. In Mohorro blieb der Rest der Matrosen, das Maschinengewehr und einige ganz alte, marschunfähige Polizeiaskari.

Bei wundervollem Mondschein setzte sich meine eigenartige Streitmacht um elf Uhr am Abend in Bewegung. Stabsarzt Engeland, der gerade aus Daressalam eingetroffen war, begleitete mich.

Die Araber führten. In ihren langen weißen Gewändern, den silbernen, krummen Dolch im Gürtel, das Gewehr geschultert, gingen sie vor mir und suchten mit ihren guten Augen die Schatten der schweigenden Mondnacht zu durchdringen. Besonders vorsichtig gingen sie durch Pflanzungen und kleine Dörfer; jeden Augenblick konnten wir den Vorposten der Aufständigen begegnen.

Wenn ich mich umdrehte, sah ich die Reihe der im Gänsemarsch gehenden Truppe sich durch das Gras schlängeln. Die Gestalten der Träger und Askari verschwammen gespensterhaft mit der scheinbar erhellten Umgebung, und das Schweigen, das alle wahrten, erhöhte den Eindruck.

Bei jedem Geräusch — wenn ein Stück Wild in den Feldern lief — stutzten die Führer und lauschten. Als wir wieder eine kleine Ortschaft passierten, fiel plötzlich seitlich vom Wege ein Schuß. Sofort wurden auf beiden Seiten Neger im Gebüsch gesehen. Immer noch in der Besorgnis, Unschuldige anzuschießen, rief ich zweimal: „Wer ist da? Antwort, wenn Freund des Bezirksamts!“

Lauschend standen wir auf dem breiten Platz, den das helle Mondlicht beschien. Keine Antwort kam. Die Leute an den Flügeln zeigten aufgeregt vor und neben uns in das Gras und behaupteten, viele Leute bewegten sich darin.