Anfangs folgte ich einem Wege, der in westlicher Richtung auf die Kitschiberge zeigte. Durch Wald, an den Teakholzpflanzungen der Kommune vorbei, führte die breite Straße nach einem verlassenen Dorfe, in dem nach dreistündigem Marsche das Nachtlager aufgeschlagen wurde.
Eine meiner Hauptsorgen bei dieser ersten größeren Expedition war die Gesundheit der Matrosen. Proviant und Kochgeschirr hatten wir. Wasser durfte nur abgekocht getrunken werden. Schwierig war es nur, die Matrosen in der Nacht gesund unterzubringen. Für zehn Mann waren nur zwei Zelte da. Jeder hatte eine wasserdichte Unterlage zum Schutze gegen die Feuchtigkeit, eine wollene Decke und ein Moskitonetz, das an eingeschlagenen Stöcken befestigt wurde. Ich selbst stellte mein Feldbett, das mir schon auf früheren Jagdausflügen gedient hatte, mit in Stabsarzt Engelands Zelt auf.
Kranke konnten mir bei meinen Märschen sehr zur Last fallen, und es mußte mir verdacht werden, wenn ich meine Leute der Fiebergefahr allzusehr aussetzte; deshalb war es nur eine große Beruhigung, einen erfahrenen Arzt bei meiner Truppe zu haben.[8]
Am Hirusee.
Am zweiten Morgen schlugen wir die Richtung auf den Hirusee ein. Die Türen der Hütten, an denen wir vorbeikamen, waren durch starke Stäbe von außen verschlossen, ein Beweis, daß die Menschen in den Wald geflüchtet waren, um sich den Aufständigen anzuschließen. Es ist das alte Verfahren der afrikanischen Völker: im Kriege die Dörfer zu verlassen und wie Tiere in einsamer Wildnis verborgen zu leben. Dem Verfolger bleiben Hütten ohne Vorräte, Ställe ohne Haustiere; und einer großen Truppe wird es dann schwer, sich zu verpflegen.
Gegen Mittag rasteten wir auf einer Halbinsel, die sich mit dicht bewaldeten Ufern in den Hirusee hineinschob. Auch hier lagen im Walde verstreut Ansiedelungen, und auf den kleinen Rodungen waren Mohogo und Bohnen gepflanzt; Fischereigerät deutete auf die Beschäftigung der Eingeborenen. Die Hütten waren sehr primitiv aus Erde, Rohr und Gras gebaut, während die dem Flusse und der Küste näher wohnenden Stämme oft recht gute Wohnhäuser bauen; mit Lehmbewurf und Kalkanstrich, mit überstehendem, auf Pfosten ruhenden Makutidach.
Aus dem Dunkel einer kleinen Hütte wurde eine alte Frau herausgezogen, die als marschunfähig zurückgelassen worden war. Nur einen Napf mit Bohnen und einen Topf mit Wasser hatte man ihr hingestellt, damit sie nicht zu verhungern brauchte.
Unter den Bäumen, nahe an der Spiegelfläche des Wassers lagerten meine Matrosen und Askari. Kleine Feuer wurden angezündet und das Mittagessen bereitet. Die Matrosen kochten den beliebten Hammelkohl, (die beste Fleisch- und Gemüsekonserve, die ich auf allen Reisen kennen lernte). Man kann dies Gericht täglich essen, ohne seiner überdrüssig zu werden, und auch die Matrosen (die an Bord sehr gutes Essen bekommen) waren froh, wenn es Hammelfleisch mit Kohl gab, während ihnen gekochter Reis mit Fleisch von Wasserbock oder Riedbock weniger zusagte. Das aber wurde die Nahrung in den nächsten Tagen, als die Konserven zu Ende gingen; ich mußte mit meiner Büchse für frisches Fleisch sorgen, da die Neger jener Gegend kaum nennenswert Viehzucht treiben und die wenigen vorhandenen Rinder, Ziegen und Schafe vor uns verborgen hielten.
Negerhütten in den Kitschibergen.