Als es hell wurde, erreichten wir die waldigen Ufer des Mbumiflusses. Eine Dhau brachte uns auf das andere Ufer, dann ging es eilig vorwärts auf dem Wege nach Kikale. Aber noch war der Ort nicht in Sicht, da kam schon ein Trupp bewaffneter Leute des Akiden, die meldeten, das Gerücht sei unbegründet, sie seien selbst nachts in den Bergen gewesen und hätten nichts Verdächtiges bemerkt. Sie freuten sich, daß ich so schnell zu Hilfe gekommen war.
Die Gegend kannte ich von einem früheren Jagdausflug her; trotz der großen Müdigkeit ging ich deshalb etwas vom Wege ab und erlegte für die Küche der Matrosen zwei Warzenschweine, die ich mit Trägern nach Mohorro schickte.
Durch Eilboten wurde Stabsarzt Engeland benachrichtigt, umzukehren, der Sergeant und ich aber schliefen bis gegen Abend unter einem Mangobaum; die Anstrengungen der Nacht machten sich geltend.
Spät am Abend trafen wir in Mohorro ein. Wenn die beiden letzten, anstrengenden Nachtmärsche auch nicht zu einem Zusammenstoß mit Aufständigen geführt hatten, so waren sie doch nicht vergeblich gewesen; denn sie gaben der noch treuen Bevölkerung die Gewißheit, daß etwas für ihre Sicherheit geschah, und für mich waren sie nützlich, weil ich Land und Leute kennen lernte und sah, was ich mit meiner Truppe unter den gegebenen Verhältnissen leisten konnte.
Die Möglichkeit, Streifzüge auszuführen, wurde für mich noch größer, als Leutnant zur See Schröder mit zwölf Mann von S. M. S. Bussard in Mohorro eintraf.
Kapitän Back stellte außerdem weitere Verstärkung unter Oberleutnant zur See Wernecke in Aussicht, fügte aber hinzu, daß S. M. S. „Bussard“ zu Landungen an anderen Küstenplätzen bereit sein müsse. Mit Rücksicht darauf meldete ich, die Verstärkung sei nicht mehr nötig und erfuhr später, wie der Kommandant jeden einzelnen Mann brauchte, um die vielen Landungen auszuführen, die in den nächsten Wochen stattfanden. (Dabei ist es vorgekommen, daß sämtliche Offiziere, der Ingenieur und der Zahlmeister an Land waren und der Kommandant mit zwei Maschinisten und dreißig Mann allein an Bord blieb!)
Am Rufiyi aufwärts.
Der Bezirksamtmann war besorgt um die dichtbevölkerten und fruchtbaren Gebiete am Rufiyi. Als die Gerüchte sagten, daß auch die Bewohner der südlich davon gelegenen Kitschiberge sich dem Aufstande anschlössen, schien der Rufiyi bedroht zu sein. Es war eine verlockende Aufgabe, den Strom zur nördlichen Grenzlinie für die von Ort zu Ort fortschreitende Aufstandsbewegung zu machen.
Das konnte nur durch einen Marsch den Rufiyi aufwärts geschehen. Von der Schutztruppe war keine Hilfe mehr zu erwarten, nachdem Hauptmann Merker von neuem in den Matumbibergen zu tun bekommen hatte; also blieb nur mir die Aufgabe, von der Keudel und ich jetzt täglich sprachen.
Am 15. August verdichteten sich die Meldungen über das Auftreten der Rebellen auf dem Südufer des Rufiyi, und ich entschloß mich, noch an demselben Tage aufzubrechen, um die von Aufständigen besetzten Plätze zu suchen. Auf wenigstens acht Tage Abwesenheit von Mohorro war zu rechnen. Träger wurden bestellt, Lasten mit Proviant gepackt, Zelte, Decken und Kochgeschirr bereit gelegt, und am Nachmittag gegen vier Uhr setzte sich meine Truppe, in Stärke von drei Unteroffizieren, zehn Matrosen und fünfunddreißig Askari in Marsch. Stabsarzt Engeland und ich hatten Reittiere; Sergeant Kühn nahm im Vertrauen auf die guten, von der Kommune angelegten Wege sein Fahrrad mit.