Als wir seinen Schilderungen der Vorgänge in den Bergen und bei Samanga noch zuhörten, kam eine Nachricht, die den Bezirksamtmann sehr beunruhigte: auch nördlich vom Rufiyi sollte in den Bergen Neigung zum Aufstand sein.
„Wenn Sie schnell hingehen,“ sagte er mir, „können Sie viel retten.“
Da ich inzwischen telegraphisch die Erlaubnis zu kleineren Streifzügen bekommen hatte, zögerte ich nicht. Es galt einen Gewaltmarsch auszuführen; denn schon am nächsten Morgen erwartet der Akide von Kikale den Angriff der Bergbewohner.
Meinen Matrosen konnte und wollte ich einen Nachtmarsch nicht wieder zumuten; deshalb ging ich mit Sergeant Kühn und zwölf Askari am Abend voraus. Stabsarzt Engeland sollte am nächsten Tage mit einem Teil der Matrosen nachkommen. Gegen Mitternacht kamen wir an einen breiten Strom, den Rufiyi, und mußten auf Boote warten. Die dunklen Wassermassen, auf denen der fahle Glanz der Sterne zitterte, das leise Rauschen im Schilf und die schweigsame Gruppe der Askari: das alles hatte etwas Geheimnisvolles, fast Geisterhaftes.
Boote an einer Fährstelle am Rufiyi.
Auf der Höhe der Uferböschung schlief ich, bis die Boote kamen, die uns übersetzen sollten. Da ließ ein Schuß mich aufspringen und zum Gewehr greifen; doch der Sergeant beruhigte mich: Die Askari brachten die Reittiere durch den Strom und schossen in das Wasser, um die Krokodile zu verscheuchen.
Endlich kam auch ich an die Reihe und nahm in dem schwankenden Einbaum Platz, den drei Neger in flachem Wasser mit Stangen, im tiefen Strome mit kleinen Schaufelrudern vorwärts trieben.