Eines Tages traf ich in einem verlassenen Negerdorf auffallend zahme Tauben. Die Tiere waren offenbar gewohnt, ihr Futter von Menschenhand zu bekommen, und waren jetzt halb verhungert; sie pickten Maiskörner, die ich über mich streute, aus meinem Hut und fraßen aus der Hand.

Panik unter den Trägern.

Mitten in der Nacht wurde ich durch plötzliche Schreckensrufe aus vielen Kehlen geweckt. Ein Menschenhaufe drang in das Lager. Ich sprang auf, griff zur Büchse, verwickelte mich in mein Moskitonetz, zerriß es und stand auf dem Platz im ersten Augenblick völlig im Unklaren über das, was vorfiel.

Auch die Mannschaften standen plötzlich alle da; die Matrosen und Askari mit ihren Gewehren, und die Träger hinter ihnen Schutz suchend. Aber kein Feind ließ sich blicken und nun wurde der Vorfall als ganz harmlos aufgeklärt: Ein Träger war ausgetreten und wurde, als er aus dem Gebüsch zurückkam, plötzlich von anderen bemerkt, die ihn, aus dem Schlaf erwachend, für einen Feind hielten, aufschrien, davon rannten und alle andern mit sich rissen.

Zum Glück hatte niemand geschossen; ein Gewehr war in dem Durcheinander zerbrochen, sonst war kein Unheil geschehen. — So aber mag der Eindruck sein, wenn ein nächtlicher Überfall die Schläfer aus dem Schlaf emporschreckt! —

Auch als wir am folgenden Tage weiter marschierten, war von den Aufständigen noch nichts zu sehen. Als ich unter Mittag am Fluß lagerte, kam ein Boot mit Lebensmitteln, die uns sehr willkommen waren, weil unsere Vorräte zu Ende gingen. Ich ließ das Boot anhalten und kaufte alles was darin war. Die Bootsleute erzählten, sie seien heute vom Ufer aus beschossen worden; in Utete, vier Stunden stromaufwärts lagerten Aufständige, die jedes Boot anzuhalten versuchten, um später auf das Nordufer übersetzen zu können.

Ein Akide.

Vom Nordufer kam der Akide Melicki, der das niedergebrannte, große Dorf Mayenge verlassen hatte; er brachte eine Ziege, Hühner und Reis. Ihn begleiteten seine beiden Polizisten in phantastischen Kleidern, und andere Neger mit Vorderladern; eine sonderbar aussehende, bunte Truppe.

Dieser Akide Melicki hat mich später auf allen meinen Streifzügen stets begleitet, bis friedlichere Zustände eintraten. Er war zwar kein Araber, sondern ein Neger aus den Matumbibergen, aber ein vortrefflicher Nachahmer arabischen Wesens, und dadurch nicht ohne Ansehen bei den Eingeborenen. Sein Wert bestand in der vermittelnden Stellung, die er zwischen mir und den Eingeborenen einnahm. Er sprach die Dialekte der Bergbewohner und Pogoro und kannte jedes Haus in seinem Akidat, weil er die Hüttensteuer einzutreiben hatte. Es ist gewiß bemerkenswert, daß ein Neger es versteht, eine solche Stellung einzunehmen und daß ihn Äußerlichkeiten, wie Kleidung, Schrift und religiöse Übungen dabei unterstützen. Man kann aber von den farbigen Akiden ebensowenig wie von den meisten Arabern erwarten, daß ihn ein Vertrauensposten hindert, seinen eigenen Vorteil dabei wahrzunehmen und Geldgeschäfte damit zu machen; denn dem Neger ist es nicht leicht verständlich, daß jemand Macht besitzen soll, ohne sich durch sie zu bereichern. Und wenn er die Tugend auch beim Europäer sieht, selbst kann er sie nicht üben.