Als Stabsarzt Engeland mit seiner Abteilung eintraf, ließ ich das Dorf plündern. Aus der Hütte eines Jägers wurden mehrere Häute von Wasserböcken angebracht; vielleicht waren gerade die Jäger die guten Schützen der Gegner. Große Mengen Reis lagen in der Wachthütte; sie wurden den Leuten des Akiden gegeben und auf das Nordufer geschafft.
Die Wachthütte war sehr geschickt in einem Seitental angelegt, mit der Aussicht auf den Weg, den wir gekommen waren. Eine Leiter führte in den Aufbau, in dem sich die Reste eines Feuers befanden, das die Wächter in der Nacht offenbar unterhalten hatten, um sich zu wärmen.
Ich fühlte das Bedürfnis nach Ablenkung. Die Eindrücke des Morgens, das Gefecht, der Tod des Kameraden und die Entschlüsse, die mich zu dem Todesurteil über die Rebellen brachten, packten mich stark. Und immer wieder trat das Gefühl der Verantwortung hervor: würde man einsehen, daß ich Recht tat, dem Feinde in seine Schlupfwinkel zu folgen und immer weiter vorzugehen? Würde man das Opfer verstehen, das der Kampf an diesem Morgen forderte?
Da war es mir willkommen, daß der Matrose, der für die Verpflegung sorgte, meldete, unsere Fleischvorräte seien zu Ende.
An den heißen Quellen.
Ich ging mit Sergeant Kühn in den Wald, um wenn möglich einen Wasserbock zu schießen. Mehrere Askari ließ ich zu unserer Bedeckung folgen. Nach kurzem Marsch trafen wir, einem Seitenpfade folgend, auf ein Dornverhau, aus dem bewaffnete Schenzis entsprangen, ohne von ihren Flinten Gebrauch zu machen. Das war nun ein ganz eigenartiges Gefühl: dem Wilde folgend, jederzeit gewärtig zu sein, selbst angeschossen zu werden. Dennoch trennten wir uns, weil sonst auf einen Jagderfolg nicht zu rechnen war, und ich erreichte bald ein offenes, mit kurzem Gras bewachsenes Tal, durch das ein heißer Bach hindurchfloß.
Hier ästen zwei starke Wasserböcke. Niedrige Fächerpalmen boten mir Deckung zum anpirschen, und ich erlegte beide Böcke mit schnellen Schüssen, gerade als sie mich bemerkten und in langen Sprüngen flüchtig wurden.
Sofort schickte ich nach den Trägern, die aber erst nach Anbruch der Dunkelheit eintrafen.
Inzwischen hatte ein Askari mir in dem heißen Quellbache eine Stelle gezeigt, an der früher schon Europäer gebadet haben sollten; während die beiden schwarzen Soldaten Wache hielten, entkleidete ich mich, legte mich lang in den schnell fließenden Bach und ließ das empfindlich heiße Wasser über mich strömen. Ein Wohlbehagen ging durch den ganzen Körper während ich so dalag und die eilenden Wolken über mir sah, deren westliche Wände von der untergehenden Sonne gerötet wurden.