Gefecht bei Utete.
Da krachten unmittelbar vor mir in dichtem Gras eine Anzahl Schüsse; ein Matrose, der mir gefolgt war, brach neben mir zusammen. Ich riß in der Überraschung mein Gewehrschloß auf und repetierte eine neue Patrone in den Lauf, ohne geschossen zu haben. Dann erst schoß ich einen Schwarzen nieder, der sich aus der Rauchwolke seines Vorderladers erhob, um fortzulaufen. Das alles geschah in wenigen Sekunden. Die Matrosen und Askaris kamen in die Reihe; ein heftiges Feuergefecht entspann sich. Die Schwarzen lagen hinter Bäumen und großen Steinen und drückten sich, nachdem sie abgefeuert hatten, wie tot ins Gras, wenn wir vorbeikamen.
Lauter Zuruf von unten sagte uns, daß der Betschausch und die Begleiter des Akiden in unsere Schußrichtung gekommen waren, um die fliehenden Schenzis einzufangen. Da machten die Matrosen von ihren Seitengewehren Gebrauch, um nicht eigene Leute durch Schießen zu gefährden, und drangen mit großem Ungestüm auf die noch standhaltenden Neger ein. Nur kurze Zeit hatte das Gefecht gedauert. Weit unten am jenseitigen Ufer eines Sees sah ich die Aufständigen laufen und verschwinden und sandte ihnen einige Schüsse mit hohem Visier nach.
„Wer von uns ist gefallen?“ fragte ich den Feuerwerksmaaten Fuchs. „Matrose Gramkau; er ist tot.“ Ich ging zu dem Platz, an dem er lag. Er war unmittelbar neben mir lautlos ins Gras gesunken; ich hatte nicht Zeit gehabt, mich nach ihm umzusehen. — Da lag der Tote im Grase zwischen den hohen Steinen, die den Feinden als Deckung gedient hatten. Ein Geschoß war ihm in den Mund gedrungen und hatte die Halswirbel durchschlagen. Ein anderer Schuß hatte den rechten Arm getroffen und die Holzbekleidung des Gewehres zersplittert.
Es war ein schmerzlicher Verlust für mich, hier mitten zwischen den zahlreichen Aufständigen einen der wenigen Europäer meiner kleinen Truppe zu verlieren. Ich war erregt und empfand es als ein Verbrechen und Unglück, daß dieser rohe, unebenbürtige Gegner mir einen meiner wertvollen Männer genommen hatte. Der errungene Sieg war teuer erkauft.
In dichtem Haufen standen die Leute des Akiden auf dem Wege. Die Askari hatten die Gefangenen in die Mitte genommen, die alle Pulverhörner und Kugeltaschen trugen; sie hatten auf uns geschossen und waren mit schuld an unserem Verlust.
Zur Bewachung und zum Transport der Gefangenen fehlten mir die nötigen Mannschaften. Von Feinden umgeben, konnte ich keinen meiner Soldaten entbehren.
Es galt, Eindruck auf die Gegner zu machen, um mehr Blutvergießen zu hindern; deshalb beriet ich kurz mit den Unteroffizieren und dem Akiden, ließ die Askari antreten und die Rebellen erschießen. Als sich die Pulverwolke der Gewehrsalve verzogen hatte, lagen die Verurteilten tot am Boden.
Wir wandten uns unserm Toten zu; er wurde auf eine Bahre gelegt und zugedeckt. Die Matrosen traten auf der einen, die Askari auf der anderen Seite des Weges an und präsentierten, als die Leiche vorbeigetragen wurde, um unter der Bedeckung von vier Askari nach Mohorro gebracht zu werden.