Gegen Abend erreichten wir das Akidendorf Kooni, aus dem ebenfalls bereits die meisten Bewohner, als erste jedoch die Inder, geflohen waren. Nach einer kurzen Beratung mit dem Akiden und Vernehmung der vorausgesandten Kundschafter entschloß ich mich, unter den großen Mangobäumen vor dem Dorfe zu lagern, um in der Nacht so zeitig aufzubrechen, daß ich kurz nach Tagesanbruch die Aufständigen erreichte.
Zuverlässige Kundschafter.
Der Erfolg war sehr zweifelhaft und hing von der Glaubwürdigkeit der Leute ab. Meine Karten reichten nicht bis in die Gegend, in die ich hineinmarschierte und ich konnte mir nur durch langes Ausfragen vieler, mehr oder weniger erleuchteter Neger ein ungefähres Bild von dem Terrain machen, in dem ich den Zusammenstoß mit der Hauptmacht der Aufständigen zu erwarten hatte.
In solcher Lage merkt man erst, wie sehr man durch Karten und Bücher gewohnt ist, sich vorher in eine Gegend hineinzufinden und Dispositionen zu treffen; ich war nach langem Hin- und Herreden soweit, zu wissen, daß ich nichts wußte, und mich dem Zufall anzuvertrauen.
Die Lagerfeuer brannten; der Rauch zog in die Kronen der dunklen Bäume hinauf und der Feuerschein erhellte den Umkreis. Am Wege hockten Hunderte von Eingeborenen, die von dem nächsten Tage eine Entscheidung erwarteten. Das schnelle Erscheinen einer Marinetruppe im Lande und die Erfolge der ersten Scharmützel machte sie stutzig. „Wer zu den Aufständigen hält, wird erschossen,“ hieß es, und das Gericht von dem schnellen Urteil über die Rebellen bei Utete besonders, hielt die Schwankenden in Schach.
Als es später wurde und die stummen Zuschauer sich durch die Postenkette hindurch in die Nacht zerstreuten, wollte es mir nicht in den Sinn, daß keiner dieser Neger zu den Aufständigen liefe, um sie zu warnen — um gar eine Falle vorzubereiten, in die ich hineingehen sollte!?
In der Nacht kamen Boten mit Meldungen, die immer klarer und zuverlässiger aussahen. Mehrmals wurde ich geweckt. Da standen die Kundschafter mit großen Vorderladern und berichteten: „Es sind ungeheuer viel Feinde. Bei Mtanza sind sie übergesetzt. Jetzt brennen Lagerfeuer im ganzen Walde.“
Um zwei Uhr kam der Akide selbst, ein kleiner, listig aussehender Araber. Er riet, erst um vier Uhr abzumarschieren.
Pünktlich um drei Uhr weckte der Posten.
Ich nahm mit mir zwei Unteroffiziere, — Sergeant Kühn und Feuerwerksmaat Fuchs —, vier Matrosen und dreißig Askari.