Um sieben Uhr früh waren wir aufgebrochen und erreichten um acht Uhr am Abend bereits Mohorro; auf dem Landwege hätten wir zu dieser Entfernung mindestens zwei Tage gebraucht.

Das Bezirksamtsgebäude in Mohorro hatte Hauptmann Merker unterdessen mit einem Drahtzaun umgeben lassen. Darin wurde nachts auch die Viehherde der Kommune untergebracht.

Leutnant zur See Schröder war nach Kilwa kommandiert.

Hinrichtung.

Eine unangenehme Aufgabe harrte meiner: Ich sollte mit Hauptmann Merker ein Kriegsgericht bilden, um vier Anführer der Aufständigen abzuurteilen. Hier, wo man den Gefangenen nicht mehr ansehen konnte, was sie verbrochen hatten, wurde mir das recht schwer.

Es schien ein großer Unterschied zu sein, zwischen diesen elenden gefesselten, die von den Askari aus dem Untersuchungsgefängnis gebracht wurden, und den trotzigen Kriegern bei Utete, die auf uns geschossen hatten.

Notwehr und Krieg das eine; Justiz das andere. Nach langen Vernehmungen wurden sie zum Tode durch den Strang verurteilt. Wie es meist bei derartigen Gerichtssitzungen der Fall ist, leugneten die Angeklagten alles und wußten von nichts; die Zeugen aber sprachen die schlimmsten Beschuldigungen aus. Beiden darf man nicht glauben, und ist nur wenn die Angeklagten bei der Tat ertappt wurden sicher, gerecht zu urteilen.

Als das Urteil bekanntgegeben wurde, blieben die Verurteilten ganz ruhig. Einer aber sagte mit größter Gelassenheit plötzlich: „Laß meinen Nachbar etwas von mir abrücken; er stinkt.“

Der lange vorbereiteten Hinrichtung zusehen zu müssen, war mir anfangs peinlich; um so mehr war ich erstaunt, wie ruhig sich alles vollzog. Ein Haufe von Menschen stand herum. Das Urteil wurde auf Kisuaheli vorgelesen. Die Verurteilten sahen gelassen zu, wie einer nach dem anderen den Wagen mit der Kiste bestieg und den Kopf in die Schlinge steckte. Der Wagen wurde dann weggezogen, und der Körper hing mit dem Kopf in der Schlinge. (Die Ärzte sagen, daß in demselben Augenblick schon die Besinnung schwinde.)

Ein Askariposten blieb auf dem Richtplatz, während das Volk auseinander ging. Weiber und Kinder hatten mit gleicher Neugierde dem Schauspiel zugesehen. Bei vielen war ein gewisses Vergnügen an der Szene unverkennbar; wie bei uns im Mittelalter.