Selbstverständlich ließ ich an die Bäume am Wege Zeichen einhauen und benachrichtigte den Bezirksamtmann, der, leider ohne Erfolg, eingeborene Jäger auf die Fährte des angeschossenen Tieres schickte.
Da wieder Nachrichten kamen, das Nordufer sei gefährdet, gingen wir am nächsten Tage auf einem kleinen Waldwege zum Rufiyi und setzten nach dem Orte Ndundu über. Ich ging etwas vorweg, um ein Stück Wild zur Verpflegung zu schießen; sah aber nur ein Warzenschwein, das ich fehlte und einige Riedböcke, die schnell im hohen Grase verschwanden, bevor ich schießen konnte. Nahe beim Strom kamen wir durch ausgedehnte, abgeerntete Reisfelder der Warufiyi.
Am folgenden Tage ereignete sich ein kleiner Zwischenfall: ein Boot mit Eingeborenen kenterte, als die Expedition über den Fluß setzte. Sergeant Kühn und Matrose Homfeld sprangen sofort nach und wurden von den ungeschickten Negern unter Wasser gezogen. Ich kam etwas später, aber doch noch rechtzeitig, um dem Sergeanten zum Ufer zu helfen.
Es machte auf die Neger einen guten Eindruck, daß sie sahen, wie wir für das Leben derer, die bei uns Dienst taten, uns selbst in Gefahr begaben.
Die Gerüchte über Unruhen im Ndundugebiet waren unbegründet; trotzdem war es vielleicht gut, daß wir auf dem Nordufer marschierten, und auch die Eingeborenen dort einmal Soldaten zu sehen bekamen.
Am dritten Tage trafen wir in Mayenge ein, wo Leutnant Spiegel inzwischen mit Hilfe der treugebliebenen Neger der Umgegend aus starken Pfählen eine Umzäunung errichtet hatte, die fortan als Boma diente und mit Wohnräumen, Küche und Ställen ausgebaut wurde.
Aus Kooni kam Nachricht, daß Hauptmann Fonck von Daressalam eintreffe, vor dem hatten die Eingeborenen, wie ich später merkte, großen Respekt; sein Auftreten im Usaramobezirk, gleich zu Beginn des Aufstandes, rief allgemeine Furcht hervor, so daß es hier nur noch zu lokalen Unruhen kam, die Regierungsrat Boeder mit der Polizeitruppe beendete.
Mit Hauptmann Fonck war Stabsarzt Stierling, den ich als einen guten Jäger schon früher kannte. Er schrieb mir einen Brief und bat um Proviant, sie wären so schnell von Daressalam aufgebrochen, daß sie sich nicht mehr hätten ausrüsten können und müßten von Huhn und Mohogo leben.
Ich hatte selbst fast nichts; war aber doch in der glücklichen Lage, mit Kleinigkeiten andern eine Freude machen zu können.
Nach langen Beratungen über die Anzahl der Askari, die ich zurückbehalten sollte, ging Hauptmann Merker mit seiner Truppe nach Süden in die Kitschi- und Matumbiberge und ich blieb allein mit zwei Unteroffizieren, einem Sanitätsunteroffizier, drei Matrosen und fünfzehn, zum größten Teil kranken Askari in der Boma; es war eine recht kleine Truppe!