Diese Fee stellte dem Peterle einen Wunsch frei. Sie dürfe sich zu ihrem morgigen Geburtstage etwas wünschen — gleichviel was —, der Wunsch werde in Erfüllung gehen.
Peterle schwankte keinen Augenblick, obwohl sich tausend Wünsche auf ihre niedliche Zunge drängen wollten.
Sie wünschte sich das Schönste, das sie sich je hatte ersinnen können: Schnee. — Sie wünschte sich Schnee. — Sie wünschte, daß zu ihrem Geburtstage Schnee fiele.
Die Fee runzelte die Stirn, aber da sie sich keine Blöße geben wollte, sprach sie: «Es wird geschehen; was du wünschest. An deinem Wiegenfeste soll es schneen.»
Und verschwand, nicht ohne einen merklich holden Duft zu hinterlassen.
Klein-Peterle hüpfte nicht und tanzte nicht vor Freuden, sondern träumte weiter in sich hinein — wenn auch in einer mäßig aufgeregten Erwartung und Neugier. Sie träumte dem Geburtstage entgegen.
Die Fee setzte schleunigst alle Hebel in Bewegung; denn es war kein Kleines, des Peterles Wunsch zu erfüllen und Schnee fallen zu lassen.
Es sei eine kurze Unterbrechung verstattet: wann beginnt ein Geburtstag?
Zweifellos in der Sekunde, womit der Geburtstag selbst anhebt, mithin nach Ablauf der zwölften Stunde des Vortages.
Es hätte demzufolge unmittelbar auf den zwölften, mitternächtigen Glockenschlag desselben Tages, an dem die Fee bei Peterle vorsprach, zu schneen einsetzen müssen. Indes sind Feen und Kinder nicht so spitzfindig wie die Herren Juristen, die gewißlich zunächst untersucht haben würden, ob die Äußerung des Wunsches jenes Kindes namens Peterle (unvorbestraft, besondere Merkmale: prätentiöse Schnecken) die Bedingung in sich geschlossen habe, daß es den geschlagenen Geburtstag oder nur überhaupt am Geburtstage schneen solle usw., — und daher zerbrach sich die Fee ihren anmutig geformten Kopf nicht über Dinge, die das Kopfzerbrechen nicht verlohnen, sintemal ihr aus der eigenen Jugend wohl bewußt war, daß für jegliches Kind der Geburtstag dann anfängt, wenn es erwacht und sich der Tatsache, daß heut’ Geburtstag ist, bewußt wird.