Peterle hatte ihre lustigen Seiten. Nicht nur die, daß sie ein Junge sein wollte, sondern vor allem ihre Person, ihre «Erscheinung», ihr «Äußeres».
Peterle war winzig klein, aber dafür dick wie ein Moppel. Sie hatte eine kurze, umgestülpte Nase, zwei wasserblaue Guckaugen und einen verschmitzten Mund. Aber das Putzigste an ihr war die Frisur: sie trug die spärlichen, bindfadendünnen Zöpfchen in zwei Schnecken prätentiös über die Ohren geringelt! Und die Zöpfe waren strohgelb.
Und doch war sie den Eltern ein Persönchen — Gegenstand kann man wohl nicht sagen — argen Kummers.
Während andere Eltern prahlten und Stolzes voll die Taten, Antworten und sonstigen Äußerungen ihrer «aufgeweckten» Kinder zum besten gaben, empfanden Peterles Eltern schmerzliche Beschämung, wenn sie von ihrem Mädelchen nichts aussagen konnten als: «Sie träumt.»
Peterle tat nämlich nichts als Träumen. Stundenlang saß sie hinterm Ofen oder auf dem Boden und träumte für sich hin. Wovon sie träumte, das erfuhr kein Mensch; denn sie teilte sich nicht mit, sondern behielt alles fein im Herzen.
Aber sie war nun schon fünf Jahre alt und sollte über ein dreiviertel Jahr bereits zur Schule.
Noch hatte sie große Ferien. Waren die erst einmal verstrichen, diese sechsjährigen großen Ferien, dann stand es bös.
Ach, es würden trübe Zeiten kommen für Peterle; denn war sie erst schulpflichtig, mußte die Träumerei ein Ende nehmen.
Die Eltern wußten sich keinen Rat und hätten ihr Kind am liebsten der Schule ferngehalten.
Da erschien eines Tages — und zwar an jenem, der jenem, an welchem sie ihr fünftes Lebensjahr vollendete, vorausging — dem Peterle eine Fee. Keine großartige, sondern eine ganz gewöhnliche Fee, wie sie täglich dutzendweise den braven Kindern erscheinen.