Jetzt kamen die Franzosen heran. Voran dampfte eine mächtige Panzerfregatte, dann folgte eine große Korvette. Unter diesem Schutze fühlte der Aviso Mut und griff an, um Lorbeeren zu ernten. Waldersee ließ sie genügend herankommen und schickte ihnen dann einen donnernden Gruß zu. Der Aviso, dem dieser Schuß galt, wendete wieder und floh hinter die Panzer. Nun begannen die Franzosen zu bombardieren. Leider fielen ihre Granaten zu kurz oder gingen über das deutsche Schiff hinweg. Die ‚Grille‘ blieb die Antwort nicht schuldig. Sie erhielt Verstärkung durch Kanonenboote unter Führung des Kapitäns Rodenacker. Sie griffen, obwohl nur für den Küstendienst bestimmt, sogleich lebhaft in den Kampf ein. Nach einer Stunde hatten die Franzosen noch keinen Vorteil errungen. Sie riefen durch Signale die noch in Reserve liegenden Schiffe heran. Vier Panzer, eine Korvette und ein Aviso stürmten brausend heran.
Kommandant Waldersee zog sich langsam mit den Kanonenbooten in das flachere Wasser bei der Insel Rügen zurück. Um fünfeinhalb Uhr lagen die Deutschen wieder auf ihrem alten Ankerplatze. Die Erkundigungsfahrt verlief glänzend. —
Eine zweite schöne Ruhmestat der jungen Marine bildete die Nachtfahrt der ‚Nymphe‘, die sich nach dem Berichte des Kommandanten, Korvettenkapitän Weickhmann, folgendermaßen zutrug:
„Am 21. August mittags kam das Danziger Schiff ‚Präsident von Blumental‘ in den Hafen von Neufahrwasser mit der Nachricht, daß es am 20. ein französisches Geschwader bei Rixhoeft passiert hätte, ohne angehalten worden zu sein. Die Nachricht, daß drei Panzer und ein Aviso dort seien, war schon telegraphisch bei der hiesigen Kommandantur den Abend vorher eingegangen; am 22. morgens dieselbe Nachricht von Rixhoeft und von Hela.
Die Erstürmung des Lagers von Buschiri.
„Um elf Uhr wurde zuerst Rauch bei Hela gesehen; um zwei Uhr steuerten drei Panzer, ein großer (Vollschiff) und zwei etwas kleinere (Barken), sowie ein Aviso langsam zwischen Hela und der Westerplatte in die Putziger Bucht, wo sie gegen Abend sechs Uhr etwa fünfzehn Meilen von S. M. Schiff ‚Nymphe‘ ankerten und liegen blieben. Die Schiffe lagen in Querlinie von Westen nach Osten. Infolgedessen beschloß ich, während der Nacht eine Rekognoszierungsfahrt zu machen. Um elfeinhalb Uhr, nachdem die Hafensperre beseitigt, ging ich mit der ‚Nymphe‘ unter Dampf nach See, um zwölf Uhr aus dem Hafen, Kurs Nord zu Ost Volldampf voraus. Um ein Uhr fünfzehn Minuten kamen die feindlichen Schiffe genau in Querlinie und dicht nebeneinanderliegend in Sicht. Östlich von den Schiffen oder zwischen ihnen durch konnte ich nicht gehen, da der Mond inzwischen aufgegangen war, weshalb ich an der Landseite soweit ging, bis sich die drei ersten Schiffe (bei einer Entfernung von etwa dreitausend Fuß) zu decken anfingen, dann Ruder hart Backbord, bis die Schiffe querab waren und die ‚Nymphe‘ sich in etwa zweitausendfünfhundert Fuß Abstand befand. Darauf gab ich bei Ruder mitschiffs und halb Dampf voraus eine konzentrierte Breitseite auf den ersten Panzer ab, und es erschien infolgedessen auf allen Schiffen sofort Licht, das bis dahin nicht vorhanden gewesen war. Dann wurde mit Steuerbord-Ruder hinter den Schiffen gewendet und die andere Breitseite abgegeben, die sofort von verschiedenen Schiffen mit etwa vier Schuß beantwortet wurde. Als der Rauch verzogen, war deutlich zu sehen, daß alle Schiffe schon Kohlen aufschütteten, obgleich seit der ersten Breitseite kaum fünf bis sechs Minuten verflossen waren. Da hieraus zu ersehen, daß die französischen Schiffe zum Kampfe vollständig vorbereitet waren, so hielt ich sofort mit Volldampf nach dem Hafen zurück. In etwa sechs bis acht Minuten drehte der große Panzer nach uns zur Verfolgung um und feuerte in Zwischenräumen von drei bis fünf Minuten etwa noch sechs Schuß, sich an unserer Backbordseite anfangs scheinbar nähernd. Gleichzeitig fielen etwa vier Schüsse etwas an Steuerbord hinter dem Schiffe von den beiden andern Panzern, die auch sofort die Verfolgung angefangen hatten, der Dunkelheit halber aber nicht unterschieden werden konnten. Nachdem wir zwei Meilen gelaufen, sahen wir die Schiffe nicht mehr, kamen etwa um drei Uhr gegen den Hafen und gingen hinein.“
Angriff der ‚Nymphe‘ auf das französische Blockadegeschwader.
Von Professor Hans Petersen.