Das Zentrum des feindlichen Aufstandes bewegte sich um die wichtigen Niederlassungen Bagamoyo und Daressalam. In Bagamoyo führten die aufständischen arabischen Rebellen Greuel der verschiedensten Art aus. Die von der Korvette ‚Leipzig‘, die vor Bagamoyo ankerte, gesandte Matrosenabteilung konnte gleichfalls, unterstützt von den Kanonen des Kriegsschiffes, den Ort stürmen und besetzen. Unter Zurücklassung zahlreicher Toter und Verwundeter entfloh der Feind wieder ins Innere des Schutzgebietes. Dreißig Matrosen blieben zum Schutze der Station zurück. Jetzt begannen die Wogen des Aufstandes höher zu schlagen.

Buschiri, der Halbblut-Araberhäuptling, stellte sich an die Spitze der ganzen Bewegung und entwickelte sich mit der Zeit zu einem gefährlichen Gegner. Die Flotte begann zunächst eine Blockade der Küste, um dadurch den Handel der Araber lahmzulegen, ferner wurde ihnen dadurch die Zufuhr von Waffen aller Art abgeschnitten, und insbesondere wurde der Sklavenhandel gehindert. Am 6. Dezember begann die Blockade durch sechs Schiffe der deutschen Marine mit einer Besatzung von 1337 Mann; ihnen schlossen sich englische und italienische Schiffe an. Energisch haben die deutschen Kriegsschiffe das Werk angegriffen.

Um die flachgehenden arabischen Sklavenfahrzeuge abzufangen, wurde ein ausgedehnter Bootsdienst bei Tag und Nacht eingerichtet, der außerordentlich beschwerlich war und die Mannschaften sehr anstrengte. Oft kamen sie nicht aus den Booten und mußten aus den Negerdörfern Nahrungsmittel holen, um keine Zeit mit der Rückkehr zu den weit draußen liegenden Schiffen zu verlieren. Sie hatten alle Unbilden der Witterung, brennende Hitze, schweren Regen, Sturm und See in ihren offenen Booten auszuhalten. Trotzdem erlahmten sie nicht und taten in treuester Pflichterfüllung ihre volle Schuldigkeit. Manche Heldentat wurde dabei von den braven deutschen Seeleuten ausgeführt. Dazu ein Beispiel:

Der Leutnant zur See von Bredow erspähte des Nachts einmal eine große arabische Dhau, die er mit seinem Boote, das mit fünf Matrosen besetzt war, zur Untersuchung anhielt. Als das Marineboot anlegte, traten den Deutschen plötzlich achtundzwanzig Araber schußfertig entgegen, doch der Ernst der Lage erschreckte von Bredow nicht. Sein sicheres und besonnenes Auftreten schüchterte die Araber so sehr ein, daß die anderen, auf die gegebenen Signale herbeieilenden Boote der Marine, ohne weiteren Widerstand zu finden, die Araber gefangennehmen konnten.

Diese Zeiten des Kampfes in den Jahren 1888/89 brachten für die Mannschaften unserer Marine schwere Gefahren mit sich, und wer die Geschichte unserer Kolonien verfolgt, wird dankbar auf die Taten der deutschen Seeleute stoßen. Der beschwerliche Wachtdienst in den Booten wurde unterbrochen, wenn es zu Kämpfen auf dem Festlande kam, denn auch dort dauerten die Kämpfe unentwegt fort. Buschiri, der kühne Araberhäuptling, schuf sich zwischen Bagamoyo und Pangani einen festen Stützpunkt, um von hier aus seine Räuberbanden nach allen Seiten bequem aussenden zu können. Er glaubte sich um so sicherer an diesem Platze, als die deutschen Schiffsbesatzungen vorläufig nur Bagamoyo und Daressalam hielten; er spottete der ‚feigen Weißen‘. In Deutschland war man jedoch zur Erkenntnis gekommen, daß nur eine durchgreifende Änderung erzielt werden würde, wenn man kraftvoller gegen diesen Häuptling vorginge. Zur Lösung dieser Aufgabe war Major Wißmann ausersehen.

Unentwegt hatte inzwischen Buschiri bald Bagamoyo, bald Daressalam gestürmt, aber immer wieder mußten seine Scharen mit blutigen Köpfen heimkehren. Am 25. Januar und am 3. März 1889 fanden besonders heftige Angriffe statt. Mit dem 4. März desselben Jahres verhängte Admiral Deinhardt, der den Oberbefehl über die deutschen Schiffe innehatte, die Blockade auch über Sansibar, und acht Tage später das Standrecht über den ganzen Küstenstrich von Bagamoyo bis Daressalam. Im April traf Wißmann ein, und im Mai 1889 ging er zum Angriff über, als seine Truppen zur Stelle waren und die notwendigsten Vorbereitungen dies erlaubten.

Admiral August Deinhardt.

Der Bericht des Reichskommissars über die Erstürmung des feindlichen Lagers lautet:

„Nach Verständigung mit dem Chef des Kreuzergeschwaders, Herrn Konteradmiral Deinhardt, beschloß ich, sofort in Aktion zu treten. Den eingegangenen Berichten zufolge hatte Buschiri seine Streitkräfte in der Stärke von sechshundert bis achthundert Mann in einem etwa eineinhalb Stunden von Bagamoyo gelegenen, nach afrikanischen Begriffen außerordentlich starken Lager versammelt.