„Die Durchführung unseres Angriffes wurde auf den 8. Mai festgesetzt. Wir brachen um sieben Uhr morgens auf. Der Weg führte uns anfangs auf den Kamm des an der Küste entlanglaufenden Höhenzuges. Ungefähr um acht Uhr wurde dieser schöne, mit Palmen und Fruchtbäumen dichtbewachsene Höhenzug verlassen, und ein ungefähr neunhundert Meter breites, schattenloses, sumpfiges, mit fast mannshohem Grase bewachsenes Tal lag vor uns. Glühend heiß brannte die Sonne auf dasselbe herab, kein Luftzug machte sich fühlbar, ein übler Geruch entströmte den morastigen Stellen, welche den Marsch außerordentlich erschwerten.

„Nach dem Überschreiten des Tales wurde wieder auf dem Höhenzuge entlangmarschiert. Auf diesem lag in einem Palmenhain Buschiris Lager. Dasselbe war weithin sichtbar und bot den Anblick einer hohen, aus dicht aufgestellten Baumstämmen bestehenden Verschanzung. Nachdem wir bis auf sechshundert Meter an das feindliche Lager herangekommen waren, schwärmte der Vortrupp sofort aus, während die Artillerie — drei Geschütze — Aufstellung in der Schützenlinie nahm. Die Marineabteilung unter Korvettenkapitän Hirschberg von S. M. S. ‚Schwalbe‘ stand dicht hinter dem Vortrupp beziehungsweise der Artillerie. In dieser Formation wurde bis auf zweihundertfünfzig Meter an das Lager herangegangen. Beim ersten Sprung auf zweihundert Meter begann das Feuern aus dem Lager, das unsererseits nicht erwidert wurde. Als jedoch bald darauf der weiße Reitesel Buschiris vor dem Lager erschien, beschoß ich und verwundete scheinbar das dem wohlbeleibten Buschiri notwendige Mittel zur Flucht, auch war dieser Schuß das Zeichen zum Beginn des Feuers auf der ganzen Linie. Das Feuergefecht wurde auf beiden Seiten ein sehr heftiges. Zugleich trat im Lager ein Geschütz, mit Eisenstücken geladen, in Tätigkeit. Wir schossen uns sprungweise bis auf hundert Meter an das Lager hinan. Nachdem das Schnellfeuer etwa eine Minute gedauert hatte, gab ich auf Verabredung mit Korvettenkapitän Hirschberg den Befehl, das Seitengewehr aufzupflanzen und zur Attacke vorzugehen. Die Sudanesen des Freiherrn von Gravenreuth waren zuerst an den Palisaden und Leutnant Sulzer der erste am Lager. In der Front brachen gleichzeitig die Matrosen unter Korvettenkapitän Hirschberg und die Askaris unter Freiherr von Eberstein ein. Den Matrosen voraus, nicht wartend, bis Bresche gerissen war, überklomm Leutnant zur See Schelle die Palisaden und wurde im Lager tödlich getroffen. Während jetzt die Matrosen die Palisaden soweit niedergerissen hatten, daß Mann hinter Mann eindringen konnte, war Freiherr von Eberstein mit den Askaris durch eine eingerannte Tür gedrungen. Nun wurde alles, was sich im Lager befand, niedergemacht. Die Flüchtlinge ließ ich noch eine Strecke verfolgen, bis das hohe Gras den Nachstürmenden ein Ziel setzte. Buschiri selbst soll nur mit Mühe entkommen sein. Erbeutet wurden zwei arabische, mit Koransprüchen beschriebene Geschütze und eine Menge anderer Waffen. Ferner fielen den Soldaten drei Kisten mit 6000 Rupien in die Hände. Nach zuverlässigen Nachrichten soll sich der Verlust des Gegners auf hundertsechs Mann belaufen.“ —

Die günstigen Folgen des Sieges blieben nicht aus. Viele Orte unterwarfen sich der deutschen Oberhoheit, und wo sich Eingeborene und Araber nicht freiwillig unterwarfen und sich noch aufsässig zeigten, gingen die Land- und Seetruppen gegen die Aufsässigen vor. Ungeheure Strapazen haben die deutschen Seeleute damals zu ertragen gehabt. Das feuchtheiße afrikanische Klima, vereint mit den Anstrengungen mußte naturgemäß zeitweise zu Krankheitserscheinungen führen. Die Erfolge der deutschen Waffen mehrten sich; nachdem der Küstenstrich in Besitz genommen war, folgte das Innere. Im Dezember des Jahres 1889 konnte die Blockade aufgehoben werden. Der Handel kam wieder zur Geltung; selbstverständlich blieb der Sklavenhandel für immer verboten.

2. Die Opfer der Samoainseln.

Schon in den siebziger Jahren bildeten die Samoa- oder Schifferinseln eine wichtige Station für die deutschen Handelsbeziehungen in der Südsee. Die Natur hat gerade über diese Inselwelt ihre Schätze in verschwenderischer Pracht ausgeschüttet und ihnen ein Klima gegeben, das sie mit Recht den Namen ‚Paradies der Südsee‘ führen läßt. Doch nicht ungetrübt können wir diese Inselwelt nennen, ohne der schweren Opfer zu gedenken, die hier zur Ehre des deutschen Namens fielen oder umkamen im Wüten der aufgeregten Elemente. Die für das Deutsche Reich so schicksalsschweren Jahre 1888/89 brachten hier der deutschen Marine große Verluste.

Bereits seit dem Jahre 1872 tobten auf diesen Inseln Kämpfe zwischen zwei Parteien, in die oft genug unsere dort anwesenden Kriegsschiffe eingreifen mußten.

Im Jahre 1876 wurden von beiden Gruppen die dortigen deutschen Niederlassungen als neutraler Boden anerkannt; dieser Vertrag erfuhr 1877 eine Erweiterung, die bestimmte, daß die Insulaner versprachen, die deutschen Rechte auch gegen eine Benachteiligung von anderer Seite zu sichern.

England und Nordamerika versuchten im Laufe der Zeit zum Schaden der deutschen Handelsbeziehungen ihren Einfluß geltend zu machen. Daneben nahmen die Parteikämpfe weiter ihren Fortgang. Entgegen den abgeschlossenen Verträgen wurden im Jahre 1879 auf neutralem Boden sogar Befestigungen angelegt. Unter der geschickten Leitung des Kapitäns zur See Deinhardt, der die damalige Kreuzerfregatte ‚Bismarck‘ führte, die zum Schutze der deutschen Faktoreien herbeigerufen war, gelang es, die Beseitigung der Befestigungen zu erreichen, desgleichen auch Frieden zu stiften und die Anerkennung Malietoas als König über sämtliche Samoainseln durchzusetzen.