In den Märztagen des Jahres 1913 ereignete sich ein ähnliches Unglück, das durch die Größe des Verlustes an Mannschaften das schwerste Unglück darstellt, das bis dahin die deutsche Torpedoflotte erlitt. Über siebzig brave Seeleute fanden dabei den Tod, alles junge, pflichtbewußte Menschen, die im Friedensdienste für das Vaterland ihr Ende in den Nordseewellen fanden.
Torpedoboot S 178.
Zur mitternächtigen Stunde erhielt das Torpedoboot S 178 durch den Panzerkreuzer ‚York‘ einen schweren Stoß, der das Wasser mit Mächtigkeit und Schnelligkeit in das verletzte Boot hereinströmen ließ. Einer der Mitfahrenden und wenigen Geretteten schrieb darüber in einem Zeitungsbericht:
„Das Unglück geschah elf Uhr vierzig Minuten. Ich lag in der Koje und verspürte den Stoß selbst nicht. Auch als ich Wasser hereinrauschen hörte, dachte ich schlaftrunken: ‚Das ist wie gewöhnlich bei schwerem Wetter.‘ Da legte sich das Boot schief nach Backbordseite. Jetzt war ich bei klaren Gedanken: ‚Reiß dich zusammen!‘ Ich sprang aus der Koje, tastete nach rechts — niemand mehr da, ging nach vorn an den Niedergang und griff dabei links — niemand mehr da. Ich war also meiner Meinung nach der Letzte. Das Wasser stieg und stürzte mit Macht durch den Niedergang. Ich arbeitete mich mit Riesenkräften dem Wasserdruck entgegen, Stiege für Stiege. Auf der obersten Stufe stand ich dann bis zum Leib im Wasser und holte tief, tief Atem, wie ein Schwimmer vor langer Tauchstrecke. Da sank das Hinterteil des Bootes. Ich wurde in den Wirbel gezogen — tiefer und tiefer. Da fühlte ich, daß sich eine Leine um meine beiden Füße gewickelt hatte. Blitzschnell kam mir der Gedanke: Sollst du hier elend ertrinken? Nein! Mit verzweifelter Kraft riß ich die Unterhose vom Leibe, wobei die Leine mit abging, und arbeitete mich hoch. Es dauerte lange, sehr lange, und als all meine Luft verbraucht war, kam ich an die Oberfläche. Nicht weit von mir schwamm jemand auf irgendeinem Wrackteile. Ich schwamm hin und schwang mich mit hinauf. Wir verteilten uns, damit das Gleichgewicht blieb. Und nun das Drama! Das Vorderteil des Bootes war noch nicht gesunken, sondern stand schräg aus dem Wasser. Sämtliche übrigen Menschen standen darauf und schrien durcheinander. Alles dauerte drei bis vier Minuten. Wir auf unseren Planken krallten uns im Holze fest. Die See ging über uns und erstarrte uns. Der Ingenieur gesellte sich zu uns. Und das Boot sank. Wir trieben etwa dreiviertel Stunden, riefen die naheliegenden Schiffe an — keine Rettung. Trotzdem blieben wir vollständig klar bei Sinnen. Des sehr schweren Wetters wegen konnte von den Linienschiffen kaum ein Kutter ausgesetzt werden. Ich sagte zu meinem Gefährten: ‚Noch zehn Minuten tragen uns die Bretter — dann ist Schluß.‘ Da kam ein Kutter; dreimal zurückgeworfen, kam er endlich doch heran, und wir flogen hinein. Jetzt waren wir geborgen, und das Frieren fing an. Der Obermaat hatte Unterhose und Hemd, der Ingenieur Lederzeug, und ich nur das Hemd an. Nach halbstündiger Fahrt kamen wir an Bord. Der Unterkörper war wie abgestorben.“ — — —
Nur elf Mann wurden gerettet, die andern fanden den Tod in den Wellen; alle waren der Pflicht getreu bis in den Tod!
Ehre ihrem Andenken!
Unterseeboot U 11.