Inzwischen begannen die Verwicklungen mit England, die zu Kriegen führten, da die Engländer in den hartnäckigen französisch-englischen Auseinandersetzungen sich zeitweise mit Gewalt an den hansischen Schiffen bereicherten; die Engländer taten dies, weil sie wußten, daß hinter den einzelnen deutschen Städten keine Macht stand, und an eine Einigkeit der Hansestädte glaubten sie nicht. König Eduard IV. von England nahm im Jahre 1468 den Hansen ihre Vorrechte, setzte den deutschen Kaufmann gefangen, schloß den Stahlhof zu London und beschlagnahmte die deutschen Güter; nur die Kölner blieben verschont. Jetzt einigten sich die Städte. Auf dem Hansetag im Mai 1469 wurde auf Antrag von Lübeck beschlossen: 1. der Krieg gegen England, 2. das Verbot des Verkaufs englischer Waren im Gebiete der Hanse, 3. die Unterbindung des Verkehrs mit England.

Große Unternehmungen leiteten die Hansen nicht ein, sie versuchten es vorwiegend mit einem Kaperkriege, in dem sich besonders der Danziger Schiffsführer Paul Beneke hervortat.

Als eine starke Hanseflotte englische Küstengebiete viele Meilen weit verheerte und eine Reihe Schiffe fortgenommen hatte, bequemte sich Eduard IV. im Jahre 1474, Frieden zu schließen, der Hanse ihre Vorrechte wieder zu bestätigen und eine Kriegsentschädigung zu zahlen. Er tat dies, weil England die Absatzgebiete der Hanse noch brauchte.

Gegen Rußland konnte die Hanse bedeutsame Schritte nicht unternehmen, da diesem Staate ein Küstengebiet fehlte. Als Iwan I. im Jahre 1494 den deutschen Hof in Nowgorod ausplünderte, legte er die dort wohnenden neunundvierzig Deutschen in Ketten und fügte dadurch der Hanse schweren Schaden zu. Wohl rief sie den Kaiser um Hilfe an, der aber half nicht.

Wenige Jahre später erwirkte sich König Johann von Dänemark einen Achtbrief gegen Schweden. Die Hanse wurde hierdurch in ihrem Handelsverkehr gehindert. In diesen Zeiten erfuhr das feste Gefüge des Bundes eine große Lockerung. Als Lübeck am Ende des Jahres 1509 Dänemark den Krieg erklärte, schlossen sich ihm nur noch Rostock, Wismar und Stralsund an. Aber die Tatkraft der Hansestädte erfocht noch einmal den Sieg. Am 9. August 1510 wurde bei Bornholm den Dänen in einer Seeschlacht ein großer Verlust zugefügt; sie blieb aber nur unentschieden, weil die Stralsunder Schiffe zu spät kamen. Die dänischen Inseln waren schon vorher von den Hanseschiffen heimgesucht worden. Wenige Tage nach dem 9. August griffen die Hansen vor Danzig eine holländische Handelsflotte an und erbeuteten zahlreiche Schiffe. Am 18. August des gleichen Jahres kam es erneut zu einem Treffen bei Hela, in dem die dänische Flotte geschlagen wurde, dazu betrieben Lübeck und Kolberg den Kaperkrieg mit Erfolg, so daß die Überlegenheit der Hanse zur See bestehen blieb und der Friede zu Malmö im Jahre 1512 ihre Vorrechte bestätigte.

Wohl hatten die Hansen ihre Macht noch einmal gezeigt, aber die politischen Verhältnisse hatten während der zweieinhalb Jahrhunderte eine große Veränderung erfahren. Die Staaten, in denen die Hanse so große Vorrechte besaß, waren zu einem Lehns- und Beamtenstaat geworden; die Macht der Königswürde wuchs und damit auch das Bestreben jener Größen, nicht mehr den Seehandel des eigenen Landes in fremden Händen zu sehen. Dazu wollten die Fürsten sich des Rechtes, an ihrer Landesgrenze Zölle zu erheben, nicht länger begeben, noch sich Einschränkungen auferlegen lassen. Auch die günstigen Vorrechte, die der Hanse zustanden, wurden als lästig und drückend empfunden. Kurzum, die Zeit, in der sich Monopole des Seehandels aufrechterhalten ließen, war mit dem Mittelalter vorbei.

Leider erkannten die sonst so weitsichtigen Staatsmänner der Hanse diese Veränderungen der Zeitverhältnisse nicht. Sie hielten zu stark und zu fest an alten überkommenen Zielen. Die Seegrenzen, die die Haupthansestädte umfaßten, waren viel zu groß, dazu das Einflußgebiet der einzelnen Hansestädte zu verschiedenartig. Als notwendige Folge konnte die Abbröckelung des Bundes nicht ausbleiben. Die großen Entdeckungen des Mittelalters, die Reformation mit ihren durchgreifenden Erregungen der Gemüter führten auch zu einer Änderung auf sozialem Gebiete, durch das Schwankungen in die Verhältnisse hineinkamen.

In den Hansestädten wollten auch die minderbemittelten Kreise, die Handwerker, Einfluß auf die Regierung der Stadt haben und nicht allein alle Macht in den Händen der Kaufleute sehen. Die Gärung der Geister ging nicht spurlos im Treiben der Zeit vorüber, allein zum Ausbruch kam sie erst später.

Bürgermeister Jürgen Wullenweber (1492–1537).
Gemälde im Museum zu Lübeck.