Dat Roov-Schipp öp de Höörn nahm
Un stött es wiß in Stücken.“[9]
Störtebekers Gefangennahme.
Die Jubelgelage und die Trinkfestlichkeiten der Seeräuber fanden nun ein schnelles Ende. Der Kampf begann, und ein starkes und großes Fechten hielt, wie die Sage kündet, drei Tage und Nächte an. Mit dumpfem Getöne segelten die Hamburger auf die Seeräuberfahrzeuge. Das Krachen und Knirschen der gewaltigen Enterhaken zeigte, daß die Schiffe Bord an Bord lagen und nun die Einzelmannschaften in einem blutigen Nahkampf aufeinander losschlugen. Auf seiten der Hamburger war zuversichtlicher Mut, der Sieg konnte nicht fehlen; auf seiten der Seeräuber war der Mut der Verzweiflung, der Kampf um den Kopf. Störtebeker, den schon seine Zeit mit dem Scheine des Heldentums umgeben hatte, ein Mann von großer Kraft, von kühnem und verwegenem Mute, der Ketten wie Zwirnfäden zerriß, kämpfte, wie nur ein Mensch kämpfen kann. Und ihm zur Seite standen seine todesmutigen, seine erprobten Seeräuber, alles wilde, trotzige Männer; sie alle verkauften ihr Leben so teuer wie möglich. Und Schwertgeklirr und Schlachtgeschrei durchhallte das Rauschen der Wogen, dazu die lauten Kommandorufe. Hier und da ächzten die Verwundeten oder stöhnten die tödlich Getroffenen, und auf den Wellen stießen die mit dem Tode Ringenden ihre letzten Hilferufe aus. An den Mast seines Schiffes gelehnt, stand der Hauptmann; so war sein Rücken gedeckt; unentwegt feuerte er die Seinen zum Widerstande an. Tapfer hielt er sich, immer und immer wieder wußte er den eindringenden Hamburgern Verluste beizufügen. Der Boden vor ihm war mit Verwundeten und Toten bedeckt, die unter seinen Streichen fielen. Endlich kam auch der Augenblick, der ihm die Streitaxt entriß. Ein wohlgezielter Bolzenschuß traf seinen rechten Arm. Er griff zum Schwerte, aber zu spät; schon hatte ein riesiger Schiffsmann der Hamburger ihn umklammert und zu Boden gerissen, laut dröhnend schlug sein Kopf auf das Verdeck, dann wurde er überwältigt und mit festen Seilen zusammengebunden. Jubelgeschrei der Hansen! Der gefürchtete Seeräuberhauptmann war endlich in ihrer Hand. Mit Störtebeker gerieten nach langen Kämpfen noch siebzig Seeräuber in die Hände der Hansen. Der Sieg der Hamburger war schwer erkauft, und manche hamburgische Familie hatte einen ihrer Angehörigen in diesem Kampfe verloren.
Heimkehr der Hamburger Englandfahrer nach Bekämpfung der Seeräuber.
Nach einem Gemälde von Professor Hans Bohrdt.
Hinrichtung von Störtebeker und Michaels. Im Hintergrunde links sieht man die Köpfe der Spießgesellen auf Stangen gesteckt.
Nach einem Bilderbogen im Besitze der Stadt Hamburg.