Das Seegefecht bei Jasmund. Angriff.

S. M. S. ‚Nymphe‘.

Kapitän Jachmann hatte rechtzeitig durch eine geschickte Wendung die Breitseite der ‚Arkona‘ den Dänen zugewandt und brachte damit seine Breitseitgeschütze zur Wirkung. Der erste Geschoßhagel der Dänen richtete nur geringen Schaden an. Außer einzelnen Löchern im Bug wurden nur Taue in der Takelage zerschossen. Inzwischen kamen ‚Nymphe‘ und ‚Loreley‘ näher an die Dänen heran und unterstützten die ‚Arkona‘ nach besten Kräften. Aber im Getriebe des Kampfes näherten sich die Schiffe, namentlich die ‚Nymphe‘, bedenklich dem Feinde, der sich jedoch vorwiegend mit der ‚Arkona‘ befaßte. Das Glück war ihm nicht hold. Wohl sauste Geschoßhagel auf Geschoßhagel über die ‚Arkona‘ dahin, die meisten Geschosse blieben aber wirkungslos, weil sie zu hoch flogen und jenseits des Schiffes ins Wasser fielen.

Das Seegefecht bei Jasmund. Rückzug.

Auf den preußischen Schiffen herrschte trotz des starken Kampfgetöses keine Überstürzung. Mit Ruhe beobachtete man die Wirkung der eigenen Geschosse. Bald aber sollte es anders kommen. Eine dänische Granate fuhr krachend durch ein Beiboot der ‚Arkona‘, platzte über der Kommandobrücke und verbreitete um sich Tod und Verderben. Tödlich traf sie den Steuermann, der verwundete erste Offizier fiel von der Kommandobrücke, einzelne Granatsplitter schlugen dann durchs Deck, töteten in der Batterie einen Matrosen und verwundeten zwei andere sehr schwer. Es war der erste blutige Gruß, der dem Arzte im Schiffslazarett Arbeit brachte. Die Fröhlichkeit und der Humor verschwanden im Angesichte des Todes, aber ruhig und sicher blieb jeder auf seinem Posten. Der dänische Führer erkannte, daß er so nicht zum Ziel kam; noch feuerten alle Geschütze der ‚Arkona‘ unentwegt weiter, dazu erwiesen sich ‚Nymphe‘ und ‚Loreley‘ als nicht zu verachtende Gegner. Plötzlich wandte sich der Feind gegen die ‚Nymphe‘. Als die erste Breitseite des dänischen Schiffes gegen die ‚Nymphe‘ herandonnerte, glaubte die Besatzung, ihr letztes Stündlein sei gekommen, denn die meisten Geschosse erreichten ihr Ziel. Entweder trafen sie den Rumpf, oder durchlöcherten den Schornstein, oder zerschlugen die Takelage. Fünf Mann erhielten leichte Verletzungen. Der größte Schaden aber war die Zerfetzung des Schornsteins; die Feuerung fing an zu versagen, der Dampfdruck ließ nach, und damit büßte das Schiff in seiner Geschwindigkeit und seiner Lenkfähigkeit ein. Den Dänen entging der errungene Vorteil nicht. Die Salven krachten von neuem. Auf der ‚Nymphe‘ ward das Boot am Hinterdeck zertrümmert, in der Takelage zerplatzten die Geschosse und setzten Segel in Brand, dreimal trafen die feindlichen Kugeln die Kommandobrücke, die Verwirrung wurde ständig größer. Der Führer des mutigen Schiffes, Kapitänleutnant Werner, wußte sich zu helfen. In aller Eile dichteten die Matrosen durch Kupferplatten die Löcher am Schornstein, die durch Teer und Pech zu größerer Glut angefachten Kesselfeuer erhöhten die Dampfkraft, und damit wuchs die Möglichkeit, das verwundete Schiff aus dem Bereiche der feindlichen Schiffsgeschütze zu bringen. Endlich konnte die Besatzung aufatmen. ‚Arkona‘ und ‚Loreley‘ fügten während dieser aufregenden Kampfesszene dem Dänenschiffe beträchtlichen Schaden zu, und die ‚Nymphe‘, nachdem sie leidlich wieder im Stand war, fuhr von neuem in die Kampfeslinie hinein, und durch gutgezielte Schüsse aus dem Buggeschütz brachte sie dem ‚Själland‘ schwere Beschädigungen bei. Eine Granate durchschlug den ganzen Rumpf; nur noch eine letzte Salve aus der Breitseite des Schiffes, dann schwiegen die Geschütze der Dänen. Auf Seite der Dänen übernahm ‚Skjold‘ die Führung. Langsam vergrößerte sich die Entfernung, und das Gefecht zog sich mehr und mehr in die Nähe des Landes. Ein Eingreifen der preußischen Kanonenboote erfolgte nicht, da die Dänen sich in zu großer Entfernung hielten.

In der späten Nachmittagsstunde fiel der letzte Schuß im nahezu dreistündigen Kampf. Es war ein Ehrentag für die junge preußische Flotte, die das erste Blatt ihrer Geschichte beschrieb. Brausender Jubel umfing die heimkehrenden Schiffe, denn das eine war erreicht: die feindliche Flotte hielt sich von nun ab in respektvoller Entfernung. Am 20. März fand das Begräbnis der fünf Gefallenen unter allgemeiner Teilnahme statt. Ein Denkmal erhebt sich über den Gebeinen der Tapferen, die in dem ersten Seekampf für die Ehre der preußischen Flagge fielen.

2. Das Seegefecht bei Helgoland.