Mit dem Beginn des Dänischen Krieges im Jahre 1864 fuhren einige Schiffe der preußischen Flotte im Mittelmeer. Sobald sie die Nachricht des Ausbruches der Feindseligkeiten ereilte, segelten sie auftragsgemäß nach den heimischen Häfen zurück, um an den Seekämpfen mitzuwirken. In die Ostsee kamen sie nicht mehr hinein, da der Sund durch die Dänen gesperrt war. Das österreichische Geschwader unter dem Oberbefehl Wilhelm von Tegetthoffs bestand aus den Schiffen ‚Schwarzenberg‘ und ‚Radetzky‘; es sollte mit den sich anschließenden preußischen Schiffen Aviso ‚Adler‘ und den Kanonenbooten ‚Basilisk‘ und ‚Blitz‘ das dänische Geschwader von der Elbmündung vertreiben. Am 1. Mai kam die Kunde, daß die Dänen bei Helgoland seien, um die Elbmündung zu blockieren; sofort nach Einlauf der Nachricht eilte das Geschwader den Dänen entgegen. In der Mittagsstunde des 9. Mai trafen sich die feindlichen Flotten etwa zehn Meilen von Helgoland. Die dänische Flottenabteilung setzte sich zusammen aus drei Fregatten: ‚Niels-Juel‘, ‚Jylland‘ und ‚Heimdal‘, mit zusammen hundertvier Geschützen; die vereinigte preußische und österreichische Schiffsgruppe führte sechsundneunzig Kanonen an Bord; die Kampfverhältnisse lagen also ziemlich gleich.

Vizeadmiral W. von Tegetthoff.

In der Frühnachmittagsstunde des herrlichen Maitages begannen die Kanonen zu sprechen. Wie verlief nun das Seetreffen? Es war gegen ein Uhr, als das preußisch-österreichische Geschwader das letzte Feuerschiff auf der Elbmündung passierte; sobald sie die dänischen Schiffe, die unter Helgoland lagen, zu Gesicht bekam, fuhr die Flotte der Verbündeten in Schlachtordnung auf. Voran fuhren die österreichischen Schiffe ‚Schwarzenberg‘ und ‚Radetzky‘, alsdann kamen die drei Preußen, und in langer Reihe steuerten den Verbündeten die Dänen entgegen. Sowie die beiden Schlachtlinien sich begegneten, donnerte der erste Schuß vom ‚Schwarzenberg‘ den Dänen die Begrüßung. Diese erwiderten sofort das Feuer, und der sich jetzt lebhaft entspinnende Geschützkampf erfüllte die Luft mit einem starken Pulverqualm, der eine ganze Zeit den freien Ausblick hinderte. Nur das Platzen der Granaten erhellte von Zeit zu Zeit das Dunkel. In dem eine Stunde dauernden Kampf schlugen die heransausenden Granaten ihre Eisensplitter in das Holzwerk oder fielen ins Wasser, so daß es hoch aufspritzte, dann schwenkten die Dänen erst westlich, dann nördlich ab, während die verbündeten Österreicher und Preußen in südlicher Richtung fortdampften. Jetzt lagen sich die feindlichen Linien in umgekehrter Ordnung gegenüber. Von neuem begann der Kampf. Die beiden österreichischen Schiffe fuhren dichter an den Feind heran, um im Nahkampf ihm größeren Schaden zuzufügen, als plötzlich der Fockmast des ‚Schwarzenberg‘ in Flammen aufloderte, die gierig um sich fraßen. Es dauerte nicht allzulange, da brannte die gesamte Takelung des Schiffes, denn das geteerte Tauwerk gab leichte Nahrung. Beißender Rauch lagerte sich über das Schiff, und eine sengende Glut umgab die Schiffsmannschaft. Wenngleich der Kommandant das Schiff so steuern ließ, daß der Rauch nach vorn getrieben wurde, befand sich das Schiff doch in einer schlimmen Lage. Das ganze Takelwerk erfüllte ein riesiges Feuermeer, und durch den dunklen Qualm konnte die Sonne nur mit Mühe einige Lichtstrahlen hindurchsenden. Unentwegt tobte das Geschützfeuer, ja, es wurde noch stärker, denn die Dänen nutzten den sich ihnen bietenden Vorteil tatkräftig aus, hingegen lähmte das schreckliche Schauspiel die Stoßkraft der Österreicher. Gegen vier Uhr, nach zweistündigem Gefechte, fiel der letzte Schuß. Tegetthoff gab den Befehl zur Rückfahrt. Rundumher herrschte Totenstille. Nur das Knistern auf dem ‚Schwarzenberg‘ wollte nicht aufhören und die heimlich lodernde Glut nicht erlöschen. Plötzlich stürzte der ganze Vortopp zusammen und richtete unter der emsig arbeitenden Schiffsmannschaft ein großes Unglück an. Der Höhepunkt der Gefahr war damit überwunden; sowie die Flotte unter Helgoland vor Anker ging, kamen von allen Schiffen Boote herbei, um Ärzte und Hilfe nach dem ‚Schwarzenberg‘ hinüberzubringen. Ein Offizier und dreißig Mann fielen auf dem Unglücksschiffe dem Feuer zum Opfer, und dreiundsiebzig Seeleute wurden verwundet. Bis zum späten Abend mußte der ‚Schwarzenberg‘ mit seinem brennenden Maststumpf umherfahren, da das züngelnde Feuer in der Höhe nicht zu löschen war, dann endlich konnte der Mast gekappt werden.

Das Seegefecht bei Helgoland.
Von Professor Hans Petersen.

Am nächsten Morgen fuhr die Flotte wieder der Elbe zu. Das österreichische Schiff sah sehr schlimm aus, denn der Rumpf zählte nicht weniger als hundertneunzig Kugellöcher, und in seinem Äußern glich das stattliche Fahrzeug einer Ruine. Die preußischen Kanonenboote befanden sich in gutem Zustande, hatten über keinen Verlust zu klagen, und auch die preußischen gezogenen Geschütze hatten sich bewährt und den Dänen manchen Schaden zugefügt. Von den preußischen Kriegsbooten litt das Kanonenboot ‚Basilisk‘ besonders unter dem Feuer der Dänen, da die vordringenden dänischen Schiffe bei der Rückkehr des ‚Schwarzenberg‘ aus der Feuerlinie das Kanonenboot abschneiden wollten. Beim Rückzugsgefecht kam die führende dänische Fregatte ‚Niels Juel‘ dem kleinen preußischen Schiff auf etwa tausend Schritt nahe. Schon glaubten die Matrosen, daß das Kanonenboot verloren sei, jedoch unentwegt und sicher feuerten die Vierundzwanzigpfündergeschütze mit so vortrefflicher Wirksamkeit auf den Dänen ein, daß die feindliche Fregatte im Schlepptau eines anderen Schiffes entfloh: die preußischen Eisenpillen hatten das Ruder des ‚Niels Juel‘ zerschlagen.

Wenn auch England das Gefecht bei Helgoland als einen Sieg der Dänen feierte, gehört dennoch den Verbündeten der Ruhm des Erfolges. Augenzeugen berichteten, daß der ‚Niels Juel‘ bei seiner Ankunft in Kopenhagen einem Wrack geglichen hätte, so furchtbar zerschossen waren sein Rumpf und seine Takelage. Im Schiffsbug befand sich ein mannhohes Loch, zahlreiche Tote brachte man an Land, und von der Schiffsbesatzung blieben nicht zehn unverwundet. Eine Flaschenpost, die ein holsteinischer Matrose, der auf der Fregatte sich befand, dem Meere übergab und die in Cuxhaven an die Küste trieb, meldete: „Wir haben englische Matrosen an Bord, achtzig Tote, hundert Verwundete und Schaden an der Maschine.“

3. Die Gefangennahme einer kleinen Dänenflotte im Wattenmeer.