Denn es war grosse Aufregung im Lande. Die Hungrigen und Arbeitslosen thaten sich zusammen auf den Landstrassen, zogen hin und her und forderten Brot mit lauter Stimme. Es kam auch vor in abgelegenen Gegenden, dass man Fabriken und Lagerräume verwüstete, Läden der Bäcker und Fleischer plünderte. Wo man auf der einen Seite die Empörung niedergeschlagen mit Blei und Kanonen, schlugen am andern Ort die Flammen wieder auf.

Auch bestand eine Art Verbindung zwischen den Arbeitern aller Länder, dass sie sich zusammenthun und Gewalten umstürzen wollten. Die Einen gaben Geldmittel für die Andern, die [pg 296]feierten. Man vereinigte sich in Kongressen, Zeitungen und Druckschriften riefen auf zum allgemeinen Ausstand.

So dass eine grosse Bewegung, niemals Ruhe war im Lande, denn Viele auch der Gelehrten und Gebildeten nahmen sich der Sache an, forderten, die Einen eine Bodenreform, dass man den Grundbesitz allgemein machen sollte, Andre eine Verstaatlichung der grossen Betriebe und Waarenhäuser. Viele aber gar die ganze Theilung, wie es die armen Leute auf ihr Programm geschrieben hatten. Und waren bereit für ihr Theil anzufangen, mitzugehen mit diesen. Es gab selbst Priester der herrschenden Kirchen, die kühn ihren Mund aufthaten; forderten die Reichen auf abzulassen von Habsucht und Wollust. Die Armen aber nannten sie das Volk Gottes und riefen aus, dass ihre Sache gerecht sei.

So befand sich Alles in Unordnung. Einige zogen hierhin, die Andern dorthin. Welche sprachen: „Morgen wird die Befreiung kommen. Sie wird kommen durch Waffengewalt, denn wir sind Viele. Sie aber sind Wenige. So wir dazu kommen uns zu messen im Kampf und zusammenhalten, sind wir ihnen überlegen zehnfach [pg 297]und hundertfach. Es kann uns nicht fehlen. Wir müssen nur einstehen Einer für den Andern und unser Pulver trocken halten.“

Gerade dies aber zeigte sich schwierig, dass sie zusammenhielten. Denn von den Führern suchte ein Jeder das Seine. Sie stritten her und hin über die einzelnen Sätze. Die Rivalität der Nationen machte sich geltend, auch eine Frage der Geschlechter, da die Männer die Weiber nicht wollten als voll gelten lassen, diese aber wiederum sprechen und Herren sein wollten wie Jene.

In den gelehrten Büchern und Blättern stritten sie sich gleichfalls. Der Eine warf dem Andern niedre Beweggründe und Tücken vor. Es waren nicht Zwei, die dieselbe Meinung hatten. Die es wohl meinten, waren schwach und träumten. Die Andern aber wühlten und zeigten sich sehr thätig.

Das ganz rohe Volk drängte zu Thaten. Sie sprachen: „Es ist besser wir sterben, als wir tragen dies Leben länger, das schlimmer ist wie der Tod, und setzen Kinder in die Welt, die Last weiterzutragen mit gekrümmtem Nacken wie wir.“

Diese waren nicht viel besser wie die Thiere. Sie sprachen: „Lasst uns trinken! Wenn wir uns Muth getrunken haben, wollen wir gehen und [pg 298]todtschlagen!“ Und schlugen blindlings drauf los, wen sie fanden. Die man ihrerseits schlug und gefangen setzte wie wilde Raubthiere.

Auch zu dem Fremden kamen Etliche von Solchen. Sie sprachen: „Sei Du unser Führer! Sage uns, was wir thun sollen. Wir wollen hinter Dir herziehen und Du sollst unser Fürst sein.“ Diese sah er an. Er sah, dass ihre Gesichter entstellt waren von Lastern. Der Geist des Branntweins war in ihren Augen. Ihr Athem roch schlecht vom giftigen Fusel, der sie verbrannte. Alle ihre Bewegungen waren obscön. Sie schrieen nach Weibern und Trunk. So sie solche hatten, nahmen sie ihren Theil, soffen sich voll. Nicht anders waren sie denn Schweine.

Und er antwortete ihnen kein Wort.