Er sprach: „Es ist viel wichtiger, dass Du giebst, denn was sie nehmen. So lange Einer hat, werden sie unzufrieden sein. So aber Keiner hat, sich sorge, wie er seine Habe halte, sind Alle zufrieden. Ausserdem dass es Deiner eignen Seele gut ist.“

Davon wollte er nichts hören, schickte ihn immer und immer wieder weg. Aber wenn seine Bekümmerniss gross war und seine Seele sehr unruhig in ihm, schickte er von Neuem und liess ihn holen. Und wollte nichts hören, wenn seine Räthe drängten, sie sprachen: „Wir haben den Beweis und den. Sein Kopf muss fallen, denn er ist ein Hochverräther.“

So dass ein Gerede ging im ganzen Land: „Der Drechslergeselle ist mehr denn unser König. Der Sohn der Gosse giebt die Gesetze im Staat.“

Sie verbreiteten dies Gerücht mit Fleiss bis zu den fremden Königen, dass diese Briefe schrieben, sich darüber bewegten. Alle sagten: „Er hat keine Macht mehr in seinem eignen Staat. Sie ist in die Hände dieses Aufrührers gegeben, der ihn am Narrenseil führt, eine Herrschaft der Bettler errichtet über seinem Thron.“

Seine Räthe beeilten sich, dieses Gerede wieder vor den Fürsten zu bringen, denn sie wussten, dass solches ihn wurmen, in ihm fressen musste wie glühendes Eisen. Er hielt viel auf seine Würde, die er von seinen Vätern ererbt hatte, und war noch ein junger Fürst, solchen Tand der Majestät gewohnt von Jugend auf.

Sie neigten sich bis zur Erde vor ihm, leckten seine Schuhsohlen, während sie ihm grobe Schmeicheleien sagten. „Dein Angesicht ist strahlender wie die Sonne. Wer in seinem Schatten lebt, muss sterben und verkümmern.“ Sie priesen seine Weisheit, die grösser sei denn die aller Gelehrten und Weisesten im Land. Aber seine Macht war grösser als aller Könige ringsum. So er nur wollte, war er der Herr der Welt. Das Wort aus seinem Munde blieb Gesetz. Der blutige Kriegsruhm seiner Vorfahren würde ihm folgen auf allen seinen Fahrten.

Zur selben Zeit versuchten sie geflissentlich den Reformator zu verringern: „Wer ist dieser Mann? Ein Niedriggeborner und Aufgeblasner, der seinen eignen Vortheil sucht in dem der Crapule. Wie wagt er zu Dir zu sprechen, den Gott selbst gesalbt hat! Könige sind gewesen von Anbeginn der Zeiten. Wer wird die Macht haben, wenn Du sie nicht hältst? Vielschwätzer, armselige, kleine Krämer und Pillendreher? Man denkt, dass Du ihn fürchtest. Der Aufruhr zieht neues Blut aus seiner Gegenwart, weil Keiner denkt, dass Du ihn angreifen wirst, dem Dein Schweigen Recht giebt. Du selbst bist erschüttert in Deinem Innern, glaubst nicht an Dein heiliges Richteramt, dass Du bist von der Gnade Gottes, der Höchste der Sterblichen, ihnen zu Dienst und Anbetung gesetzt von oben.“

So peinigten sie die Seele des Fürsten, beugten sich in den Staub, gaben grosse Feste. Böller donnerten, Fahnen wehten. Man brachte köstliche Geschenke von Silber und Gold. Alle Truppen in glänzenden Uniformen mit blinkenden Waffen defilirten. Das Zucken seiner Wimpern war für sie Gesetz. Wo er auftrat, folgten seinem Tritt Tausende.

So dass sein Herz wieder stark wurde in ihm: „Es ist Alles zum Besten eingerichtet. Da sieh doch! Und höre den Jubel meines Volkes bei meinem Einzug.“

Der Gefangene aber blieb fest. „Es ist nicht gut. Von Dir wird gefordert werden Gut und Böse.“