Er fing an sich die Kleider vom Leibe zu reissen, roh zu lachen, hässliche, unfläthige Worte auszustossen, derselbe, so fein, so anmuthig und wohlgebildet früher. Aber die Schwere der Geheimnisse war zu viel gewesen. Im Rathen über ihnen hatte er seinen Verstand verloren. Er war jetzt nicht viel mehr als ein Thier. Er raste und fletschte die Zähne.

Dieser Jungfrau, als sie Solches mit ansah, war es zuviel für ihr zärtliches und noch so kindliches Herz. Sie fühlte wie einen grossen Sprung durch sie hindurch, der durch ihre Gedanken ging, ihr Besinnen und Wollen. Sie fiel ohnmächtig hin.

Dann stürzte er sich auf sie. Er riss sie an den Haaren. Er zerriss ihre Kleider, zerfleischte ihr Gesicht mit den Nägeln, trat und beleidigte sie. „Ihr – Ihr seid der Fluch der Welt,“ stiess er hervor. „Ihr habt uns zu Grunde gerichtet. [pg 322]Das Weib! Das Weib! Warum habt Ihr den Apfel gegessen und nur zur Hälfte? Warum macht Ihr das Leben neu und es ist kein Leben? Ihr! Ihr! Der Schmutz seid Ihr, der Schlamm! Wir sind Götter. Wir sind reine Geister. Die Engel des Lichts sind wir. Ihr habt uns in Koth verkehrt. Ich habe die andre Hälfte wiedergefunden, die, die Ihr selbst verzehrt habt. Ich bin Eines Geschlechts. Ich bin androgyn. Ich bin Gott! Gott! Gott!“ ...

Die Katze mit gesträubten Haaren, auf dem Kaminsims hockend, sah zu. Ihre Augen funkelten bösartig. Sie hatte beide Vorderkrallen vorgebogen. Als er die Halbgestorbne zurückstiess, sprang sie ihr an die Kehle und biss sie todt.

Die Andern fanden diesen jungen Mann, der das todte Kind über seinen Knieen hielt. Er hatte ihr die Haare wohlgeordnet und Frühlingsblüthen hineingestreut. Ihr weisses Kleid war über sie gebreitet wie ein Leintuch. Aus der rothen Halswunde troff das Blut.

Die Katze hatte es an ihren Pfoten. Und leckte sie putzend.

„So viel Schönheit,“ sagte er, „so viel Unschuld und Güte. Das ist nun Alles dahin – dahin.“

Und weinte über die junge, süsse Maid, nahm ihre Hände, küsste sie. Und küsste ihre weissen, kleinen Füsschen in den seidnen Schuhen, die sie angezogen, ihn zu ehren. Denn sie dachte in ihrem kindlichem Herzen: Vielleicht, dass dieses mein Brauttag wird, der ihr Todestag geworden, des schrecklichsten Todes.

Dann seufzte er sehr tief, sagte: „So vergehen die Blumen. O süsse Blume! Blume der Unschuld, der Güte und des Verzeihens! Sie hätte liebliche, kleine Kinder gehabt. Ihre Enkel hätten sie gesegnet. Keinem hast Du je Unrecht gethan. Kein unreiner und unfreundlicher Gedanke hat Dich bestürzt. Kein Anblick der Hässlichkeit Deinen Sonnenweg gekreuzt. Weint nicht um sie, denn ihr ist wohl. Warum weint Ihr?“

Er begriff es nicht, dass sie weinten, versank in tiefes Brüten. Da Etliche die Katze todtgeschlagen hatten, nahm er den Balg auf, streichelte ihr zerrüttetes Fell und bettete sie neben die Jungfrau. Die Hand der Jungfrau lag auf dem runden Kopf des Thieres. Beide waren weiss, Eine wie die Andre, von zierlichen Gliedern, weich anzusehen und zärtlich in ihrer Geberde.