Frau Matzke hatte sofort ein Punschglas vor Fritz Kuhlemann aufgestellt und eins vor dem Fremden, der sich bescheiden mit an den Tisch [pg 31]setzte. Das grosse Dienstmädchen strebte neugierig näher. Sie war ein durchaus anständiges Mädchen und stolz auf ihre Anständigkeit, aber sie hatte es doch gern, wenn man sie kitzelte, Witzchen mit ihr machte. So zum Beispiel foppte sie sich stets mit Matzke, dass er sie heirathen sollte. Er wollte dann von ihrem Gelde seine Frau auszahlen und sich scheiden lassen. Das amüsirte sie königlich.

„Ich möchte nur um ein Glas Wasser bitten und ein Stück Brot, wenn ich es haben kann,“ sagte der Fremde.

Die Frau sah ihn erstaunt an, willfahrte aber der Bitte. Matzke schoss aus seinen geschwollenen Augen einen trüben, gehässigen Blick.

„Wer’n rechter Kerl is, der is Soldat jewesen. Wer nich Soldat jewesen is, der is überhaupt kein Mann nich, sag ick!“

Er wiederholte das mit der Faust aufschlagend gegen den Tapezier, der sich damit belustigte, ihn aufzuziehen. Er schien sich damit das besondre Wohlwollen der Frau Matzke verdienen zu wollen, denn er blinzte ihr zu. Die grosse Hanne juchzte lärmend auf.

„Un eene volle Pulle liebt er ooch, was ’n [pg 32]rechter Mann is? Was Aujust? Tapfre, olle Kriegsgurgel?“

Der Trunkenbold stierte ihn giftig an, that aber Bescheid. In der Hülflosigkeit seines benebelten Gehirns gegen die Kniffe und Finten des Andern blieb ihm nur dies eine Bedürfniss, zuzuschlagen, seine Fäuste zu gebrauchen.

„Kanonen ufffahren und derzwischen jepfeffert, denn würden sie schon fertig mit det Jesindel!“

„Und Du wärst der commandirende Jeneral von det Janze! Herr Aujust Matzke mit dem schwarzen Adlerorden da vorne aus der Weste.“

Der Tapezier amüsirte sich königlich. Frau Matzke zog verächtlich die Lippen. Das Dienstmädchen bog sich vor Vergnügen.