Die junge Frau sah von einem der Männer zum andern. Sie litt nicht. Aber sie war müde – von einer süssen Müdigkeit. Das beschwerte sie, aber machte sie froh. – Ihre Augen hatten sich verschleiert. Es war, als ob sie sähe, in etwas sehr Helles, Glänzendes sähe. Aber sie sprach nicht. Ein träumendes Fühlen war in ihrem Sehen. ...

Der Professor machte eine abschneidende Handbewegung: „In unsern Irrenhäusern.“


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Ende.

Weitab von der Stadt lag die Irrenanstalt, ein Complex langgestreckter, gelber Häuser, am Rande des Kiefernwaldes. Von der Chaussee führte eine Fahrstrasse, alleeartig mit Bäumen bestanden. Rechts und links lagen Felder. Die leichter Kranken und Unbemittelten arbeiteten dort unter der Aufsicht eines Wärters.

Man sah sie Kohlstrünke ausreissen, Gräben ziehen, jäten. Manchmal lachte einer seltsam, kichernd, unmotivirt.

Die Vorübergehenden auf der Chaussee blieben wohl stehen und sahen sie an. Sie stiessen sich mit den Ellenbogen. „Irre!“ Das interessirte sie. Sie fanden es auch ein bischen komisch. Jedenfalls erwarteten sie Außerordentliches. Vielleicht [pg 386]dass Einer sich auf seinen Wärter stürzte und ihn erdrosselte oder etwas Aehnliches.

An der Chaussee lagen die Wärterhäuser. Sie sahen schmutzig grau aus mit kahlen Fenstern. Es war einsam hier und nicht behaglich. Der fegende Wind über die Ebene traf sie von allen Seiten. Alles das hatte etwas Trauriges.

Noch weiter ab lag ein Oeconomiegebäude. Es war mit einer hohen rothen Backsteinmauer umgeben. Man hörte Gänsegeschnatter. Ein fauliger Gestank von Dünger verpestete die Luft, die scharf war, prickelnd, wie im Winter schon.