„Was Du willst,“ sagte der Fremde.

„Das ist es. Aber ich weiss doch nicht, was ich will.“ Der junge Offizier war in einen gewissen Eifer gerathen, er nahm sich vor, den Punkt bis zu Ende zu verfechten. „Wenn mein Wille gegen das steht, was ich soll?“

„Du sollst wollen.“

„Man zwingt mich. Ich komme in’s Gefängniss. Man behandelt mich als Verbrecher. Was bin ich, Einer gegen so Viele?“

„Viele Einzelne sind Viele.“

„... Die Duchoborzen. Eine Art Tolstoi. Auch [pg 105]Quäker leisten ja keine Kriegsdienste, glaube ich? Interessant, sehr interessant!“ sagte die Gräfin.

„Jedes Land hat alle seine Kräfte nöthig gegen den äusseren Feind!“ sagte der Candidat der Theologie, der zugleich Reserveoffizier war. „Ein Land, das sich seine Waffen nimmt, ist wie ein Körper ohne Widerstandskraft. Es entmannt eine Nation, sie ist dann nicht fähig, ihre Ehre zu vertheidigen. Die Ehre eines Volkes ist wie die Ehre eines Individuums.“

Er liebte das Wort: Ehre. Er sagte es in einem besonderen schnarrenden Ton. Er war auch für das Duell und fing ein längeres Gespräch mit dem Lieutenant darüber an, „zum Beispiel, wenn Einer mich mit meiner Frau betrügt. Dann greift schließlich jeder Holzknecht zur Axt.“

„Aber der Holzknecht ist ein Mörder und kriegt seine fünf Jahr Zuchthaus,“ sagte der Prinz freundschaftlich. „Das ist der ganze Unterschied, mein braver Langenhahn.“

Natürlich müssten gewisse Formalitäten beobachtet werden; der Candidat gab das zu. Der Lieutenant sah nicht ein, warum schliesslich Messerstechen und Ohrabbeissen nicht auch gelten sollten, immer gerade mit diesem Falle des Ehemanns [pg 106]gegen die Ehebrecherin und ihren Mitschuldigen gerechnet.