Er wusste, er fuhr einen Sterbenden.
Der Fremde war verschwunden.
Am dunklen Fenster der verlassnen Garderobe stand das kleine Mädchen. Sie mochte nicht tanzen. Sie weinte. Sie fühlte sich sehr traurig. ...
Das siebente Kapitel.
Durch die Gewitternacht fuhr der junge Mann den Sterbenden.
Es gab einen kürzeren Weg über die Berge durch eine seichte Furth im Flusse. Schmuggler benutzten ihn für lichtscheuen Handel. Man vermied ihn am Tage. Ihn bei Nacht zu fahren, war Wahnsinn.
Das Gewitter näherte sich. Es war ein Sausen in der Luft, das die Bäume zur Erde bog. Kiefern und magere Birken, die an den Abhängen wuchsen im beständigen Kampf um ihr Dasein. Der Wind fing sich in den gewundenen Schluchten der Thäler. Da heulte und rasselte er wie ein eingeschlossener Wolf. Und unten der Fluss, von einer mysteriösen Anziehungskraft aufgetrieben, begann zu brüllen, kurze Wellen aufzuwerfen mit schnellen [pg 121]Kruppen, die zu den Steinen hinüberleckten. Bewegungslos, weiss lagen noch die schimmernden Ränder. Runde Backen von Kieseln gleissten. Aber die Schilfe rauschten und raunten. Während von weiter, über dem Gebirge unheilschwangere Laute eines brauenden, überkochenden Hexenkessels kamen, jagende, schwarze Wolkenfetzen mit der peitschenden Bewegung der Bäume eine fratzenhafte Mischung von Licht und Schatten verursachten. Alles in Galoppade, die Kutsche einhüllend, die wie ein Gespann der Hölle dahinsauste. Inwendig den Sterbenden. Ueber den Hälsen der Pferde, halb hängend in der Luft, den Mann, der die Pferde antrieb, dass die Steine knatterten, Funken aufsprühten.
Nun fuhr der erste Blitz herunter. Der Eclaireur, senkrecht, elegant, halb spielerisch, ein Fechterhieb im beginnenden Duell der Elemente. Die Pferde bäumten sich. Er riss sie zurück. Sie rasten vorwärts wie der Teufel.