„Auf! Auf, alter Satan! Wir fahren zur Hölle!“
Singend pfiffen die Riemen. Die Pferde mit blutenden Flanken, schaumbedeckt, keuchten wie apokalyptische Spukdinge. Lucifer, der gefallne Engel, lenkte sie selbst im höhnenden Rausch seiner Kraft und seines Stolzes. Es war unmöglich, dass sie so ankamen, der Wagen musste sich überschlagen, zerschellen.
Die tolle Eile steigerte sich. Sie verbrannten den Boden, dass die Geleise rauchten, die Räder sich hitzten zu dunkler Rostgluth. Hinter ihnen losgelassen folgte das ganze Gewitter, Frauen mit feuchten Haaren, Rübezahl der Berggeist mit dem Barte, das ganze Heer der Wilden, Eingebannten.
„Ich kenne Euch! Ich kenne Euch! Willkommen, Gesindel!“
Drinnen war es still. Er hörte nichts mehr. [pg 128]Der Wagen schlug auf wie ein klappender Kasten, nur noch Holz, etwas Lebloses, etwas Unförmiges, das die Pferde erschreckte, hinter ihnen hing, nach dem man sich nicht umsah, immer zwischen ihren Beinen verwickelt, sie stiess zu rasenderem Lauf.
Und nun, ganz deutlich, vernahm man die Stimme des Flusses, zwischen allen diesen Bächen, Wässern, die neben ihnen gossen, vom Walde und Wolkenbruch angeschwollen. Er röhrte wie ein Hirsch in Wollust. Er war allmächtig. Bäume, mit der Wurzel ausgerissen, fuhren und drehten sich blitzgeschwind. Die Steine seiner Tiefe kollerten polternd übereinander. „Ihr denkt, ich drehe Euch Eure Mühlen, schaffe Euer Licht, trage Eure Brücken – Euer Diener, Euer gehorsamer! Euer Speichellecker! Ich hasse Euch! Ich hasse Euch!“
Er fühlte sich stolz, alle Demüthigung dieser vielen Jahre fortgeschwemmt, zerbrochen der Zaum, den er im Munde getragen. Bücken, heucheln und lügen! – Sie hatten ihn gehalten. Er hielt sie. Er war stark.
Da war der rothe, glorreiche Tod dahinter, über ihm und in ihm, Satan mit prachtvollem Lachen, aufgereckt der Titan. Er war der Starke. Nichts! Nichts gegen ihn!
Er schnalzte mit der Zunge, schwang die Arme fuchtelnd in der Luft, Laute südlicher, infernalischer Idiome, die den Blutdurst rufen, Tänzer zu den tollsten Gliederverrenkungen aufstacheln und die Frauen willenlos machen unter dem Gluthhauch der Brunst. Alles das hatte er gesehen und genossen im delirirenden Suchen nach Genuss, unter der platzenden Sonne des Mittags.
Todt! Todt! Todt! Elendes Aas, von dem sich die Hunde abwenden mit Grauen, sein leeres Hirn zerschellt an den Steinwänden. Nichts drin, das Grinsen selbst des Todtenschädels zerstört im grösseren Grausen, dieser zersplitterten Knochen, zerschundnen Häute unter dem Orden, dem Frack.