„Sie sind glücklich.“

Der Confrater mischte sich jetzt ein: „Sehr interessant. In der That höchst interessant. Das ist Buddhismus. Es ist die Lehre des Buddha. Wenn man denkt, dass sie dreitausend Jahre alt ist! Haben Sie irgend welche Verbindung mit diesen Religionsgesellschaften gehabt? – Es könnte doch sein in irgend einer corrupten Form“ – (dies für den Collegen) –, „Bücher darüber gelesen?“

Der Fremde sah den Confrater an. „Alles ist Verbindung,“ sagte er.

„Natürlich! Die Wiederkehr! Die Wiederkehr!“ Der Professor rieb sich die Hände höchst befriedigt. „Das ist das charakteristische Merkmal. Sie geben sich das weiter wie ein Geheimniss. Fragen Sie ihn doch, ob er an die Seelenwanderung glaubt? Gerade für die populäre, gewissermaassen kindliche [pg 145]Phantasie haben diese Verwandlungen etwas Anziehendes. Sie finden das im Volk in tausend Märchenvorstellungen, Geschichten von Wehrwölfen, Schwanenjungfrauen, sprechenden Bäumen. Selbst in dem indianischen Märchen des Hiawatha von Longfellow kommt diese Idee wieder, in der Verkörperung des Samenkorns. Isis und Osiris, Baldur, ... Es ist Alles dasselbe.“

„Aber das ist nicht das Schlimme, das ist das Gefährliche nicht!“ platzte der Superintendent los. „Die Moral! Die Moral! Diese Lehre vom Nirwana, der blinden Ergebung, der Thatenlosigkeit, der stumpfsinnige Fatalismus des Orients wieder zu uns verpflanzt! Das ist der Tod aller Cultur, allen Fortschritts, aller Humanität. Das ist Heidenthum! Heidenthum! Das Christentum ist Kampfesmuth, Streben, Krieg!“

„Auf den Krieg folgt der Friede.“

„Friede da droben! Hier ist Kampf. Wir sollen Kämpfer sein.“

„Krieg in uns, Friede nach aussen.“

„Wir sind nicht hier, um Frieden zu haben. Unser Leben ist Ringen und Unruhe. Da oben erst wird er uns zu Theil. Aus Gnade.“

Der Fremde lächelte.