Manche hätten gehofft, dass er mehr darüber sagte. Aber er hielt seinen Mund geschlossen und sprach nicht mehr den Tag.
So setzten sie ihm zu mit vielen spitzfindigen Fragen. „Ich habe meinem Nachbar Geld geliehen. Nun will er es mir nicht wiedergeben. Ist er im Recht oder ich?“
Er sprach: „Warum forderst Du es?“
Es entstand da ein ganz lächerlicher Disput über die Ehre. „Wenn Einer mich geschlagen hat, muss ich ihn wieder schlagen?“
Er sprach: „Ein Schlag und noch ein Schlag sind zwei Schläge. Machst Du ein Loch damit zu, dass Du es doppelt weit einschlägst?“
Aber in seinem Herzen wurde es traurig über sie. Und er that seinen Mund auf und fing an zu wehklagen.
„Arme! die Ihr reich seid, und Eure Güter fressen Euch selbst, Geiz, Neid und Habsucht! Was Du zu viel hast, nimmst Du einem Andern, der zu wenig hat, und für jedes Ueberflüssige, das Du Deinem Leibe anthust, leidet ein Andrer Mangel.
„Geht Ihr hin und gebt Theile, baut Krankenhäuser und sammelt für Wohlfahrtsanstalten: Dies thue ich – und wollt Lob Eurer Nachbarn und Ansehen vor den Leuten, Ihr Heuchler! Wo Ihr nicht genommen habt zuvor, was brauchet Ihr zu geben?
„Ihr sagt, dass Ihr sie hochbringt und streitet für die Freiheit Eurer Brüder, Gesetze, Unterricht und Bürgerrechte. Was brauchtet Ihr Freiheit, wenn Ihr nicht Unfreie gemacht hättet zuvor, Eure [pg 194]Seelen nicht in Banden wären des Geizes, des Trotzes, des Hochmuths, der Lüge, der Trägheit und der feigen Angst?
„Nach Macht trachtet Ihr selbst, wie Ihr Euch hochbaut vor den Leuten, dass sie Euch anstaunen möchten. Innerlich seid Ihr hohl. Ihr zehrt vom Kostbarsten, das Ihr habt. Und wenn der Tag kommt, dass man Euren Leib zu Grabe trägt, Eure Seele war todt in Euch lange vorher.