„Ihr denkt, Ihr habt gefunden, darum sucht Ihr nicht mehr. Das Gesuchte ist weiter von Euch, denn da Ihr irrtet in Noth und Zagen. Ihr stopft die äussre Wunde zu und der Brand frisst fort inwendig. Ihr seid stolz in Eurer Erkenntniss, Eurem Wissen, köstlichen Kleidern um Eure Nacktheit. Und wenn Ihr ganz nackt steht, kommt der Frost. Ihr erstarrt unter dem faulen Schimmer. Eure Herrlichkeit ist die der Eintagsfliege, Eure Grösse die des Maulwurfs, der seinen Erdhaufen aufwirft.

„O Ihr Kleinen! Ihr Armseligen! Ihr Ungläubigen! Wie unglücklich seid Ihr in Eurem Glücke! Wie erbärmlich in Eurem Stolz!

„Die Kinder und Unmündigen werden wissen vor Euch, die Kleinen, die Ihr verachtet habt. Das [pg 195]Lamm wird stärker sein denn der Löwe, der laut brüllt. Eine Jungfrau mit der Seide ihres Haares wird Königreiche leiten, die der Eisenfuss zertritt.

„Wehe Euch! Wehe Euch!

„Die Pflanzen wissen, die Felsstücke. Die Wasser, die ihren Weg laufen. Alle Sterne, die gehen in ihrer Bahn.

„Ihr werdet nie wissen, die Ihr klug seid. Ihr könnt nicht, die Ihr stark seid. Die wollen, werden niemals erreichen. Die kämpfen, siegen nicht.“

Solche Rede erbitterte Viele. Sie suchten ihn zu erhaschen. Aber er ging mitten durch sie hindurch und entwischte ihnen immer.


[pg 196]

Das zwölfte Kapitel.