Es war Einer, der kam zu ihm bei der Nacht.
Er war aber ein sehr vornehmer Mann des Landes, der Vornehmste und Reichste im ganzen Lande. Er hatte sein Gesicht im Mantel verhüllt, dass Niemand sein Gesicht erkennen konnte. Die Falten des Mantels verbarg seine Gestalt, dass es unmöglich war zu sagen, ob er klein gewachsen war oder gross, breit oder schlank. Er war von weit gekommen mitten in der Nacht. Er kam zu Pferd und allein. Ein vertrauter Diener hütete sein Pferd, während er hinaufgegangen war, mit ihm zu sprechen in der Nacht.
Die Nacht war stürmisch und sehr finster. Man hörte den Wind brausen. Er trieb die nassen Zweige der Bäume in grossen Packen gegen die Fenster, dass es klatschte und prasselte. Der Wind [pg 197]war gewaltig. Er fuhr über die Erde in einem weiten schwarzen Mantel, dessen unterste Schleppe die Erde fegte. Oben blies er in die Wolken. Sie flohen eilig wie wollige, furchtsame Schafe durch die Nacht. Der Wind zerriss sie in grosse Fetzen und jagte sie fort. Er freute sich, dass er so allein draussen war zu herrschen, orgelte sehr laut und blies ein Triumphlied des Trotzes und der Herausforderung über die Erde.
Der Wind kam von den Eissteppen des Nordens und war über die See gefahren und sein Mantel hatte die Kämme der Wogen aufgepeitscht, dass sie nach ihm schnappten und sich überschlugen in der Jagd nach ihm. Wie hungrige, graue Jagdhunde mit triefenden Lefzen liefen die grossen Wogen unter dem Winde. Aber sie fingen ihn nie. Er heulte und jauchzte. Manchmal packte er sie und wirbelte sie im Tanze, rund, rund, um einen spitzen, kreiselnden Trichter in der Mitte, wo er seinen Kopf versteckte. Er zerschnitt sie in glatten, gekeilten Furchen wie der scharfe Steven eines Dampfschiffs. Dann entschlüpfte er ihnen wieder, sich überschlagend in der Luft. Sie machten verzweifelte Sprünge und warfen sich ihm nach an den Strand wie un[pg 198]gefüge Meerthiere mit nassen, schweren, aufklatschenden Leibern.
Aber er lachte nur und schrie lauter und floh davon.
Er heulte um die Fenster des Leuchtthurms, den die Menschen gebaut hatten, um der Fluth zu wehren, dass der Leuchtthurmwächter erschrak in seinem Herzen: Ich will die Laterne fester stellen, denn heute ist Sturmnacht. Er blies dem Wächter die Capotte vom Gesicht und schrie laut auf vor seinem Fenster, wie ein Meervogel mit schwarzen, schlagenden Flügeln. Dann fuhr er weiter.
Er blies in die weissen Segel der kleinen Fischerbarken, dass sie umschlugen vor dem Wind, platt lagen wie elende, furchtsame Sklaven. Und er probte den stolzen Oceandampfer, der ruhig weiterschiffte in seiner geraden, majestätischen Bahn.
Auf dem Lande bekreuzten sich die Leute und machten die Läden fester zu. Sie dachten mit Sorge an die Schindeln auf ihren Dächern, die schlechten Strohdecken der Scheunen. Der Wind fegte die Schindeln herunter. Er hob das Strohdach auf und fuhr in die Scheune, dass Alles auf[pg 199]stob, durcheinander wirbelte, wie wenn der Raubvogel in den Hühnerstall fährt.
Hui – hui – machte der Sturmwind.
Im Gebirge köpfte er die Tannen und schleuderte sie kopfüber den Abhang hinunter. Von der offenen Bergseite, wo die neue Strasse lief, riss er grobe, rohe Fetzen und kollerte sie in die blanken Eisenbahnschienen mitten auf den Damm. Er polterte an den Pfeilern der Brücken und peitschte die Weidenruthen am Ufer, die sich bis auf die Erde bogen, der Wind ist ihr Herr. Er war furchtbar.