Der alte Mann legte eine Hand vor die Augen und beschattete seine Augen mit der Hand. Wie ein Schatten ging es über seine Augen.
„Ich träumte von Einem ... Es ist lange, lange her. Der da kommen sollte ... Ich weiss nicht, ob er vom Himmel ist oder von der Erde? Du bist Fleisch. Aber Dein Fleisch hat den Tod gesehen. Du bist ein König und kommst im Kleide des Bettlers. Du könntest tödten und Du streckst die Hand aus, um zu bitten. ..... Aber kannst Du lieben? Kannst Du lieben wie wir?“
„Ich bin für Dich gestorben. Aus Liebe zu Dir bin ich Fleisch geworden und ich habe gelitten. Es ist die Liebe, die mich lebendig macht vor Deinen Augen.“
Der Alte hatte sich vorgebeugt. Seine Augen drohten den Fremden zu verschlingen. Sie bohrten sich sehr tief in sein Gesicht und schienen seine Seele zu fassen in ihren Tiefen, wo sie nackt lag: „Wohl – wohl – Du bist gut und barmherzig. Es giebt die Schuld. Und es giebt die Nacht. Ueber Schuld und Nacht – – Kannst Du lieben dahinüber?“
„Ich kannte die Nacht des Todes. Und ich bin in der Hölle gewesen.“
„In der Hölle ... In der Hölle ...“ Der alte Mann beugte sich noch weiter vor. Seine Augen schienen sich hineinzufressen in die des Andern, zu ringen – zu ertrinken. Er athmete hart.
„Wo die Flammen steigen zum nächtlichen Himmel, die Starken schmachten in Ketten und Banden – –“
„Wo die Flammen steigen zum nächtlichen Himmel, die Starken schmachten in Ketten und Banden ... Einer ist, der Starke der Starken, der Stolzesten Stolzer ... Einer – –“
„Keiner ist denn ich. Er ist Ich, Ich bin Er. Sieh mich an und verstehe!“
Der alte Mann hatte einen Schritt vorwärts gemacht. Wie ein Blitz an der Eiche glitt er hernieder. So fiel er um und war todt.