Martha war mit hineingegangen. Sie beeilte sich die Vorhänge fortzuziehen: „Sieh ihn Dir genau an und merke die Zeichen des Uebels, an dem er gestorben ist.“ Sie beschrieb sie genau. „Nun ist es zu spät. Wenn Du bei Zeiten gekommen wärst, lebte er jetzt. Aber vielleicht ist es auch nicht zu spät? Du weisst sehr Vieles, und es ist Dir Macht gegeben über Kunst der gewöhnlichen Sterblichen. Sieh Du selbst und urtheile!“

Das sagte sie ihn zu versuchen. Sie dachte in ihrem Herzen: „Wenn es doch möglich wäre? Warum sollte es ganz unmöglich sein?“

Er sprach: „Lass mich allein mit ihm.“

So ging sie hinaus und schloss die Thür hinter sich.

Es war Niemand im Zimmer, denn er und Maria. Und die Leiche zwischen ihnen, von der sie die Fliegen wehrte mit ihrem blühenden Zweig. Denn sie hatten ihn viele Tage liegen lassen um des Fremden willen. Der Leichnam fing schon an sich zu zersetzen. Ein Geruch der Fäulniss war mit im Zimmer zwischen dem frischen, kühlen der Blumen, die Maria gesammelt hatte.

Er war an das Lager getreten und sah den Todten an.

„Er ist nicht todt,“ sagte er.

„Ich weiss, dass er nicht todt ist. Er schläft blos,“ sagte Maria. Sie fuhr fort den Fliegen zu wehren und sang leise. Vom Gras, das verwelkt, sang sie, von der Spreu im Winde:

„Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blühet wie eine Blume auf dem Felde.

„Wenn der Wind darüber geht, ist sie nimmer da und ihre Stätte kennt sie nicht mehr.