Und öffnete die Thüre weit und neigte sich bis zur Erde und berührte den Fussboden mit ihrer Stirn. Und sprach: „So es Dir recht ist, Deiner Seele gefällt, dass Du essen willst jetzt, Alles ist bereitet, mein süsser Herr!“

Darauf ging der Prinz ein in die Kammer und setzte sich auf den geschnitzten Sitz am Tisch.

Sie aber schritt flugs und nahm seine Schuhe ab. Und brachte ein Gefäss mit Wasser. Und rieb seine Füsse mit Wasser. Und salbte sie mit duftender Salbe und trocknete sie in Linnen. Und setzte sich da zu seinen Füssen und sah ihn an.

Sprach er: „Warum kniest Du vor mir?“

Sie sprach: „Mir ist sehr wohl so, mein allerliebster Herr! Lass mich knieen so und Dir dienen allezeit.“

Er sprach: „Kennst Du mich?“

Sie sprach: „Bist Du nicht der kommen soll? Ich kenne Dich wohl, denn Du bist meiner Seele holdseligster Bräutigam. Ich habe nie einen andern Mann gesehen, noch im Traume eines Zweiten gedacht. Die Thür meiner Kammer blieb verschlossen. Niemand sah das Geheimniss meines Hauses bis heute.“

Nun sagte er: „So Du nicht weisst, was Liebe ist, wie kannst Du mich lieben?“

Sie sprach: „Ich liebe Dich mehr als mein Leben. Ich liebe Dich mehr als die Freiheit und den Frieden meiner Tage. Ueber die Scham meiner Jungfrauenschaft liebe ich Dich. Ich würde meine Füsse in Flammen setzen, um Dir zu folgen, meinen nackten Leib untertauchen in die stinkende Faulheit des Sumpfes.“

Er sprach: „Da Du so tapfer bist, weisst Du, dass Du sterben musst? Denn die mich freien, werben um den Tod. Ihr Weg geht über Dornen. Glühende Nägel müssen in ihre Hände eindringen; ihre Seiten werden sich öffnen und bluten. Sieben Schwerter gehen ein durch Deine Seele. Sie werden Dein Fleisch zerschneiden mit scharfer Schneide, in Deinem innersten Herzen haften wie fressendes Feuer.“