Das Nixchen steht natürlich auf Seiten der Mutter. „Mama“ ist eine grosse Frau. Was Mama will, geschieht. Und Mama hat immer recht.

Die beiden Ältesten hat sie glücklich losgeschlagen. Mit der Ersten haperte es. Die Verlobung dauerte lange, ein entfernter Neffe er, aber er hatte ja Karriere vor sich. Thränen und Szenen in der Familie. Man hielt ihn bei der Ehre fest, bis sie glücklich unter Dach und Fach waren. Seitdem ersticken sie in Brut.

Das ist Mamas Hauptärger. Auch das Nixchen wird ganz naserümpfend: „Wie kann man nur! Sie könnten doch wirklich [pg 55]„was thun“ – wo er noch nicht mal Major ist.“ – Über das „was“, das man thun könnte, scheint sie sich ziemlich im klaren zu sein. Bei Geheimrats geniert man sich nicht, wenn die Diskussion heftig wird.

Die Zweite war die Schönheit der Familie. Die sollte hoch hinaus, wurde auf Excellenzen- und Verwandtenbesuch geschickt mit Toiletten und Dekolettiertheiten. Einem kleinen, sentimentalen Zwischenspiel mit einem Marinevetter machte die Mama ebenso nachdrücklich wie effektiv ein Ende. Der Mann ist ein ekelhafter, impotenter Kerl, aber Geld, schweres Geld. Dada entschädigt sich. Der Marinevetter ist zu seinem Recht gekommen. Das Nixchen erzählt mir Alles: „Ach, du bist ja nich so“ .... Sie haben eine Wohnung hier irgendwo.

Es findet Dada nicht zu bedauern.

Der Bruder ist der Liebling der Mutter, der echte Bruder Liederlich, macht Schulden, jeut, rennt Frauenzimmern nach, mit Einschluss des geheimrätlichen Küchenpersonals, zur grossen Erheiterung des Nixchens. Daher fortwährende Szenen. Der reiche Schwager lässt sich nicht anpumpen. Mama hat Schulden gemacht: „Weisst Du, es ist manchmal unausstehlich bei uns.“ Ich glaube es gern.

Auch das Nixchen hat einen Freier auf der ersten versuchsweisen Angelreise eingefangen, ein ländlicher, reicher Mensch, mit vornehmem Namen.

Er scheint etwas dämlich zu sein .. „Dann hat er so grosse Hände!.. Nicht halb so nett wie Du!“ ....

Sie weint dann thatsächlich, obgleich sie natürlich fest entschlossen ist, ihn zu neh[pg 57]men, und wieder weinen wird im Myrtenkranze.

Oh, Weiber!