Arme Natur, wo bist du?

Über die Taktik des „Fangens“ giebt sie einige ganz hübsche Details.

„Natürlich musst du immer thun, als wüsstest du von nichts. Das ist die Hauptsache. Wenn er kommt, ganz erstaunt sein und weglaufen, um sich die Haare zu machen, wo Mama schon den ganzen Morgen auf ihn lauert, und ich meine neue Bluse angezogen habe ... Alles glauben, was er sagt, gar nicht fragen! Als ob wir uns nicht ganz genau erkundigt hätten, bei Tante Otti, was er hat und woher er stammt. Mama spricht immer, als ob ich ein Kind wäre, dass ich noch mal in Pension soll. Dabei hat sie schon alle Zimmer eingerichtet auf [pg 58]seinem Gute. Sie denkt, dass ich meinem Bruder heimlich was abgeben soll, wenn wir verheiratet sind. Aber ich werde es grade thun! Ich habe genug von der poveren Wirtschaft zu Hause!“

Lukretia Borgia und Goneril im Taschenformätchen!

Aber allerliebst ist sie, fast leidenschaftlich in ihrer Art, mit ihren kleinen, prüden Zärtlichkeiten, das Händchen, das mir über den Schopf fährt, die Küsse .. sie drückt dann sehr, um sie heiss zu machen. Manchmal küsst sie mich sogar auf den Mund jetzt: „Ich könnte sterben für dich! Wahrhaftig!“

Man könnte es fast glauben. Dann stelle ich sie auf die Probe: „Wir könnten uns doch heiraten“ ....

Sie wird dann sofort wieder Nixchen: [pg 59]„Ein Künstler wie du .. und sieh mal, er ist Baron und furchtbar reich. Er muss zu Hofe mit mir gehn, hat Mama gesagt, und ich nehme alle Kleider aus Paris wie Dada. – Man muss doch vernünftig sein, Schatz.“

Dazu knabbert sie Pralinees, wie eine kleine, weisse, sehr artige Madonna.

Ich liege auf der Chaiselongue und staune.

... „Und sieh mal, Dich liebe ich doch. Du bist doch meine wirkliche, einzige Liebe. Du hast mich doch.“