Ebenso albern finde ich den Mann, der absolut der Erste sein will. Wie lässt der grosse, gute, kluge Goethe seinen Jarno sagen: „Und, glauben Sie mir, es ist in der Welt nichts schätzbarer als ein Herz, das der Liebe und der Leidenschaft fähig ist. Ob es geliebt habe, ob es noch liebe, darauf kommt es nicht an.“

Überdies: On n’est jamais le premier.

Ist die Frau besser, die sich vielleicht physisch enthalten hat aus persönlicher Propertät oder Mangel an Gelegenheit, aber ihre Phantasie zu den unnatürlichsten Ungeheuerlichkeiten ausschweifen lässt, als diejenige, die vielleicht an einem hellen Maien[pg 94]tage dem süssen Zug der Natur gefolgt ist, ohne zu rechnen und zu moralisieren?

Das ist gewissermassen das System der Kuhpockenimpfung ... Ich habe vielleicht mein Wassernixchen zu einer sehr guten Ehefrau gemacht.

Aber freilich die Konsequenzen!

Ich hatte mal eine starkgeistige Freundin von schwachem Fleische, die behauptete, wenn die Konsequenzen nicht wären, wär’s ein Gesellschaftsspiel.

Vielleicht ist es gut, dass es noch nicht so weit ist. Man ist noch immer der „Erste“, mit der offiziell aufgestempelten Eins vom Standesamte, der Kolumbus, der Schleierlüfter, der Dornröschenerwecker.

Sie mokiert sich darüber. Sie hat eine Art Ranküne, wenn sie von ihrem „Ersten“ spricht. Vielleicht ist es ein Gefühl des [pg 95]Torts, das sie in meine Arme getrieben hat, mir dem Wissenden, dem Verzeihenden.

„Ich hätte Angst vor Dir. Du weisst so viel“ ... sagt sie manchmal.

„Aber hast Du denn keine Angst mit „ihm“ – immer fremd sein – immer Komödie spielen?“