Und doch:

„’s ist eine der grössten Himmelsgaben,

So ein lieb Ding im Arm zu haben.“

Nicht nur für uns, für es selbst auch. Wo ist die Frau, deren Herz und Hirn gross genug ist, die geliebte, liebende Frau, von herben und verkrüppelten Früchten, die reife, süsse?.....

Jeder Mann betrachtet sie als ein Geschöpf, einzig und allein für ihn bestimmt, eine Adamsrippe, eine Unvollkommenheit. Nur wir, die wir sie wahrhaft lieben, sehen in ihr das Geschöpf für sich, das Menschenwesen, in seiner Eigenart des Interesses und der Teilnahme wert.

Mögen sie hereinfallen! Das „weisse Blatt“ ist die grösste männliche Unverschämtheit, Heuchelei, Protzenhaftigkeit, in der wir wissentlich und willig beharren. Ein Geschöpf mit Augen, Ohren, Sinnen, hundertmal feineren und aufmerksameren Augen, Ohren, Sinnen wie wir, soll das nicht sehen, hören, fühlen, wie wir?

Der Egoismus der Männer macht sie blind. Ich habe kein Mitleid mit Egoisten. Selbst der hintergangene Ehemann! Er ist lächerlich und verächtlich mit Recht. Lebte er wirklich mit seiner Frau, hätte er sich bemüht sie kennen zu lernen, ihr Denken, ihr Fühlen bis in ihre Verlogenheiten hinein – haben wir etwa nicht unsre Verlogenheiten? – wäre ihm das passiert? hätte er nicht warnen, eingreifen können als es Zeit war, wenn nötig sie vorher freigegeben.

Ja, wenn wir nicht alle Rollen spielten. Und es giebt eine Rolle „Mann“, die wir mit Vorliebe spielen, gegen die Rolle „Weib“, die wir ihnen aufoktroyiert haben. Sie rächen sich wie sie können.

Nicht nach Besserung seufzt die Welt, sondern nach Wahrheit. Die Wahrheit ist die höchste Menschenliebe, nur im Vergleich unmoralisch, ungütig, böse. Und wenn der Vergleich fällt von seinem hohen Piedestal, dann steigt das Niedrige. Was ist gemein? Was ist verächtlich? Was ist erhaben, bewunderungswürdig? wenn Alles Menschliche menschlich ist.

Ein heiliges Mitleid liegt schwanger über der Welt, die feinste, reine Quintessenz des Christentums. Nur die Pharisäer stören es. Dem Zöllner ist es natürlich.